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Die Bakerzyste - Was ist das überhaupt?

Wenn man aufgrund von Beschwerden im Bereich des Kniegelenks zum Arzt geht, ist der Schmerz fast immer in einem direkten Bereich des Gelenkes zu lokalisieren und seltener in der Kniekehle. Verspürt man jedoch in der Kniekehle den Schmerz, könnte eine sogenannte Baker-Zyste dafür verantwortlich sein. Aber was ist das überhaupt?

Zunächst ist sie wie jede Zyste ein Hohlraum in einem Gewebe des Körpers, in diesem Fall in der Kniekehle. Sie wird eben aufgrund ihrer Lokalisation in der Kniekehle als sogenannte „Poplitealzyste“ bezeichnet. Ihren Namen „Bakerzyste“/“Baker-Zyste“ verdankt sie einem englischen Chirurgen (William Morrant Baker) der sie als erster beschrieb.

 

Eine Baker-Zyste ist normalerweise eine sekundäre Erscheinung aufgrund eines bereits bestehenden Kniebinnenschadens, wie z.B. eines Meniskusrisses, Läsionen der Kreuzbänder, Arthrose des Kniegelenks und weiteres. Insbesondere unbehandelte Meniskusrisse sind oft verantwortlich für die Entstehung einer Baker-Zyste. Durch den bestehenden Schaden bildet sich ein wiederkehrender Gelenkerguss. Es kommt zu einer starken Vermehrung der Gelenkflüssig (Synovalis).

Die Bakerzyste 01Eine Baker-Zyste entsteht praktisch dann, wenn die dorsale (hintere) Kapsel nicht mehr in der Lage ist, dem Druck aufgrund der vermehrten Gelenkflüssigkeit standzuhalten und stülpt sich dann nach dorsal (hinten) aus, meist auf der inneren Seite der Kniekehle zwischen den Ansätzen von einem großen Wadenmuskel (Caput medialis des musculus gastrocnemius) und einem der hinteren Oberschenkelmuskulatur (musculus semimembranosus).

Wie äußert sich eine Baker-Zyste ?

Durch eine Schwellung im Bereich der Kniekehle ergibt sich der Anhaltspunkt für ein Bestehen einer Popliteal-/Baker-Zyste. Diese ist ab einer gewissen Größe auch gut zu tasten.

Zusätzlich bemerkt der Patient meist ein unerklärliches Druckgefühl im oben genannten Bereich bei bestimmten Bewegungen.

Gerade bei Bewegungsabläufen mit starker bis endgradiger Flexion (Beugung) wie z.B. in die Hocke gehen, Fahrradfahren oder hohe Treppen steigen verspürt der Patient mit zunehmender Größe der Zyste Schmerzen.

Sollte die Baker-Zyste auch noch auf andere Strukturen Druck ausüben, wie zum Beispiel Venen und Nerven kann es gleichzeitig noch zu Durchblutungsstörungen, sowie Taubheitsgefühlen im Unterschenkel und Fuß kommen.

Eine weitere Komplikation ist das Platzen bzw. Zerreißen der Baker-Zyste, wodurch Gelenkflüssigkeit in einen nicht für sie vorgesehenen Bereich gelangt. Dadurch können weitere Schmerzen entstehen, nicht zuletzt auch aufgrund der Entzündung des betroffenen Gewebes, bis hin zum Kompartment-Syndrom. Bei diesem besteht aufgrund der neurovaskulären Versorgungsunterbrechung sofortiger Handlungsbedarf. Hierbei ist zu sagen, dass ein Kompartment-Syndrom bei einer Baker-Zyste jedoch nur in sehr seltenen Fällen auftritt. Auch eine Thrombose könnte aufgrund oben genannter Faktoren eine Folge einer Baker-Zyste sein.

Ursachen und Risikofaktoren für die Entstehung einer Baker-Zyste sind neben den oben genannten Kniebinnenschäden auch besonders kniebelastende (sportliche) Tätigkeiten aber auch ein hohes Lebensalter, da mit zunehmendem Alter die Elastizität und Belastbarkeit der Gewebe abnimmt. Sie kann jedoch auch nach Arthroskopien und Operationen am Kniegelenk (z.B. Kreuzbandplastik, Totalendoprothese) auftreten.

Besteht der Verdacht einer Baker-Zyste lässt sich dieser durch eine Sonographie (Ultraschall) und/oder Magnetresonanztomographie/MRT (Kernspin) leicht überprüfen.

Für eine Behandlung der Baker-Zyste gibt es verschiedene Ansätze. Zum einen unterscheidet man zwischen konservativer und operativer Behandlung, aber auch zwischen der direkten Behandlung der Baker-Zyste und der ihrer Ursache – des Kniebinnenschadens. 

Für eine langfristige Heilung und somit auch Elimination der Baker-Zyste sollte zuerst der kausale Kniebinnenschaden behoben werden. Dies kann je nach Indikation operativ/arthroskopisch als auch konservativ geschehen. Zusätzlich/begleitend können Entzündungshemmer eingesetzt werden, um den Körper bei diesem Prozess zu unterstützen.

Durch das Beheben des Kniebinnenschaden sollte sich der Erguss im Kniegelenk reduzieren, was automatisch den Druck auf die dorsale Kapsel verringert und diese somit entlastet wird.

Sollte die Baker-Zyste und ihre Beschwerden jedoch auch dann weiterhin fortbestehen, ist möglich, die Zyste mit gezielter manueller und Physiotherapie diese zu behandeln. 

Bleibt auch dies nach Ausschöpfen der vorherigen Ansätze langfristig ohne Erfolg sind eine Punktion oder eine operative Entfernung der Baker-Zyste die Mittel der Wahl um langfristige Schäden zu vermeiden.


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#73791998 | Probleme im Knie | Urheber: underdogstudios
#89895636 | formazione di una cisti di Baker | Urheber: ellepigrafica

Tags: Baker-Zyste, Kniekehle, poplitea, Zyste