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Die Bedeutung der Seitenbänder im Kniegelenk

Die Bedeutung der Seitenbänder im Knie 01Neben den beiden zentralen Kreuzbändern gehören die Seitenbänder zu den vier wichtigsten Bandstrukturen im Kniegelenk. Sie befinden sich seitlich des Gelenkes. Ihnen kommen besondere Bedeutung in der Stabilisierung des Kniegelenkes zu.

Man unterscheidet hierbei zwischen dem Innenband (ligamentum collaterale mediale/lcm) und dem Außenband (ligamentum collaterale laterale/lcl). 

Während die Kreuzbänder die Bewegung des Unterschenkels zum Oberschenkel nach vorne und hinten kontrollieren, finden die Seitenbänder ihre Funktion in der Stabilisierung in der Seitneigung.

Das Innenband/LCM entspringt innen am Oberschenkel (Femur) und zieht sich bis hin zum inneren Schienbein (Tibia). Es ist von der Struktur her ein breites und flaches stabiles Band. Das Innenband verhindert in Zusammenspiel mit verschiedenen Muskeln, dass das Kniegelenk einem zu starken Valgussstress (X-Bein) ausgesetzt wird. Somit wird auch ein Aufklappen des Gelenkes nach medial (innen) verhindert. Ie tiefen Faseranteile des Innenbandes sind mit dem Innenmeniskus verbunden. Verletzungen des Innenbandes sind häufig in Kombination mit Läsionen des Innenmeniskus zu finden, aber auch nicht selten zusätzlich mit Beteiligung des vorderen Kreuzbandes. Sind alle drei Strukturen (Innenband, Innenmeniskus, vorderes Kreuzband) betroffen, spricht man von einem „Unhappy Triad“.

Das Außenband/LCL findet seinen Ursprung ebenfalls am Oberschenkel (außen). Es setzt aber im Unterschenkel nicht wie das Innenband am Schienbein/Tibia an, sondern am Wadenbein (Fibula). Aufgrund ihrer verschiedenen Ansätze am Unterschenkel werden die beiden Seitenbänder auch als ligamentum collaterale tibiale (Inneband) und ligamentum collaterale fibulare (Außenband bezeichnet).

Das Außenband/LCL/LCF ist in seiner Struktur her nicht flach und breit wie das Innenband, sondern schmaler und rundlicher. Es ist nicht fest mit dem Außenmeniskus verbunden.

Entgegengesetzt zum Innenband schützt das Außenband das Kniegelenk vor übermäßigem Varusstress (0-Bein) und dem Aufklappen des äußeren (lateralen) Gelenkfaches. 

Zusammen mit den Kreuzbändern kontrollieren die Seitenbänder das Kniegelenk auch in Rotationsbewegungen, insbesondere Außenrotation.

Unfallmechanismen:

Schafft es die zuständige stabilisierende Muskulatur des Ober- und Unterschenkels nicht, einwirkende mechanische Kräfte zu kontrollieren, und somit unnatürliche Verrenkungen und Stellungen des Kniegelenkes stattfinden, sind in bestimmten Positionen die Seitenbänder nicht mehr in der Lage, übermäßigen Valgus- oder Varussstress, sowie ein Aufklappen des inneren oder äußeren Gelenkfaches zu verhindern. Bei einem Versagen der Muskulatur evtl. sogar mit Einwirkung von äußeren Kräften auf und bei Valgusstress kommt es zu (Über-) Dehnungen des Innenbandes/LCM/LCT bis hin zur Teil- oder Komplettruptur, wobei letztere die am häufigsten vorkommende Verletzung des Innenbandes ist.
Versagt die Muskulatur bei selbem Mechanismus mit Kräften, die nicht von außen auf innen sondern von innen auf außen auf das Gelenk wirken, wie bei einem Varusstress, geschieht ähnliches wie oben beschrieben mit dem Außenband. Knöchernde Ausrisse sind hierbei auch keine Seltenheit.

Therapie

Die Therapie ist immer abhängig von Art und Ausmaß der betroffenen Strukturen sowie objektiver und subjektiver Instabilität.

Generell lassen sich (isolierte) Verletzungen des Innenbandes aufgrund dessen Beschaffenheit (breites, flaches Band) zunächst gut konservativ behandeln. Eine operative Versorgung mit einer Bandplastik findet nur in sehr seltenen Fällen statt. Die konservative Behandlung erfolgt zumeist mit einer Orthese für die erste posttraumatische Zeit mit einer Streckhemmung von ca. 20-30 Grad um das verletzte Band nicht auf Spannung kommen zu lassen. Dies ermöglicht den verletzten Strukturen ein stressfreies und störungsarmes Einheilen.

Bei einer Ruptur des äußeren Seitenbandes/LCL, LCF wird öfter eine Bandplastik vorgenommen, da dessen Strukturen bei einer Totalruptur seltener wieder gut zusammenwachsen als diese des Innenbandes. Als geeignetes Transplantat für eine Bandersatzplastik des äußeren Kollateralbandes hat sich die Sehne des m. gracilis erwiesen, welche auch bei einer Kreuzbandersatzplastik (zusammen mit der Sehne d. m. semitendinosus) Anwendung findet. Bei einer konservativen Behandlung ist die Rezidivrate jedoch höher als bei einer Ersatzplastik.

Die Entscheidung zu einer konservativen oder operativen Therapie sollte unter Abwägung aller Faktoren und Berücksichtigung der Begleitverletzungen zusammen von Arzt und Patient getroffen werden.


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