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Was bedeutet Arthroskopie und welche Anästhesie ist die richtige?

Fast alle Eingriffe an Gelenken werden heutzutage arthroskopisch durchgeführt. Die Knie-Arthroskopie ist eine der häufigsten. Sowohl Menisken, als auch Knorpel und Kreuzbänder lassen sich durch ein spezielles Endoskop gut behandeln. Doch was bedeutet überhaupt Arthroskopie und sollte man sich bei einer solchen für eine Vollnarkose oder Spinalanästhesie entscheiden? 

ASKuAnästhesie 01Arthroskopie bedeutet übersetzt Gelenkspiegelung. Im Volksmund ist sie auch als „Schlüsselloch-OP“ bekannt. Dies kommt daher, dass lediglich kleine Hautschnitte, zumeist zwei benötigt werden. Für das Knie bedeutet dass, dass diese Hautschnitte an beiden Seiten der Patellarsehne gesetzt werden. Sie werden als anterolaterale (der äußere) und anteromediale (der innere) Arthroskopieportale bezeichnet. Bei einer Kreuzbandersatzplastik erfolgt zusätzlich noch ein etwas längerer Hautschnitt zur Entnahme der jeweiligen Sehne (Transplantat). Bei den Hamstrings wird dieser über dem Pes Anserinus am Schienbein gesetzt, bei Patellar- und Quadrizepssehnentransplantaten erfolgt er präligamentär. Durch den anterolateralen Zugang wird dann eine spezielle Kamera in das Gelenk hineingegeben, welches dem Operateur einen guten optischen Überblick über den Gelenkinnenraum ermöglicht. Knorpel, Menisken, Bänder und alle weiteren Strukturen werden gut sichtbar durch die Kamera auf einem Bildschirm im Operationssaal dargestellt. Durch den anteromedialen Zugang führt der Operateur dann sein Werkzeug, welches er gerade für die geplanten operativen Maßnahmen bedeutet, ein. 

Die Vorteile liegen klar auf der Hand. Eine Arthroskopie ist sehr viel schonender für den Patienten, da alternativ nur offen operiert werden kann. Offen bedeutet, dass die Haut über dem Gelenk aufgeschnitten wird. Dadurch werden sehr viel mehr Strukturen (insbes. die Kapsel) weit höher verletzt als bei einer Arthroskopie. Es bildet sich folglich auch mehr Narbengewebe, was zu unterschiedlichsten Problemen führen kann. Für den Patienten bedeutet gleichzeitig, dass er nach einer Arthroskopie schneller wieder wortwörtlich auf den Beinen ist und dadurch zügiger wieder in den Alltag zurückkehren kann.

ASKuAnästhesie 02Die Dauer einer Arthroskopie richtet sich nach dem Ausmaß der verletzten Strukturen und der Art und Weise der operativen Therapie. Bei kleinen Eingriffen beträgt sie ca. 20-30min, bei einer Kreuzbandersatzplastik verlängert sie sich ungefähr um dieselbe Zeit, da hierbei ja weit mehr Vorgänge stattfinden müssen (Bohren/Fräsen der Kanäle, Entnahme und Präparation der Sehne/des Transplantats etc.). Die jeweilige Dauer der Arthroskopie ist aber individuell abhängig und kann nicht verallgemeinert werden.

Vollnarkose oder Spinalanästhesie?

ASKuAnästhesie 03Bei der Aufklärung mit seinem Narkosearzt, dem Anästhesisten, wird man grundsätzlich gefragt ob man eine Vollnarkose wünscht, oder ob eine Spinalanästhesie vorgenommen werden soll.

Bei einer Vollnarkose wird das Bewusstsein des Patienten für die Dauer der Operation komplett ausgeschaltet. Auch das Schmerzbewusstsein wird außer Gefecht gesetzt. Da man dadurch auch nicht mehr selbst atmen kann, wird man durch eine künstlich mit einer Maschine oder manuell beatmet. Über einen Monitor kann der Anästhesist alle Funktionen wie Herzrhythmus, Sauerstoffsättigung oder Blutdruck überwachen und kontrollieren, das heißt, er kann direkt eingreifen, wenn einer der Werte auffällig werden würde.

Bei einer Spinalanästhesie hingegen ist der Patient wach. Hier wird lediglich die Signalweiterleitung des Rückenmarks ausgeschaltet. Hierfür spritzt der Anästhesist Betäubungsmittel, sogenannte Anästhetika in den Hirnwasserraum in der Lendenwirbelsäule. Das Rückenmark ist hierbei jedoch nicht betroffen, da es meist im Bereich der Lendenwirbelkörper 1 und 2 endet und eine Spinalanästhesie bei einer Arthroskopie der unteren Extremität in der Regel im Bereich der Lendenwirbelkörper 3 und 4 erfolgt. 

Ob eine Vollnarkose oder eine Spinalanästhesie vorgenommen werden soll, sollten Anästhesist und Patient nach Abwägung individueller Faktoren zusammen entscheiden, da es sowohl für das eine als auch für das andere Risikofaktoren gibt, die der Anästhesist im Vorgespräch jedoch alle erfragt und dem Patienten erläutert. 

Im Fachbereich Anästhesie gibt es aufgrund kontroverser Studien bis heute keine eindeutige Meinung dazu, ob bei Operationen der Extremitäten eine Vollnarkose oder eine lokale Anästhesie besser geeignet oder beides gleichwertig ist, daher sollte die endgültige Entscheidung individuell getroffen werden.


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