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ALL PRESS FIT – eine biologische und anatomische Fixationsmethode bei Kreuzbandersatzplastiken

Wird sich nach einer Kreuzbandruptur zu einer arthroskopisch erfolgenden Kreuzbandersatzplastik entschieden, gibt es viele verschiedene Methoden, diese zu fixieren.

Die im Jahr 1995 von Dr. med. Gernot Felmet in der Artico Sportklinik in Villingen-Schwenningen erfundene und seitdem immer weiterentwickelte ALL PRESS FIT – Methode verzichtet dabei auf jegliches Fremdmaterial, egal Metall- oder Biointerferenzschrauben, Endobuttons oder Suture-Discs und andere. 

Durch den Verzicht auf Fremdmaterial, werden alle durch dieses hervorgerufenen möglichen Nachteile eliminiert, wie zum Beispiel eine – nicht seltene – allergische Reaktion auf Fremdmaterial und darauf folgende Osteolysen im Bereich dessen (Erweiterung der Bohrkanäle auf teilweise knapp 2cm). 

Zusätzlich bietet diese Technik noch weitere anatomische und biologische Vorteile;

Die femoralen (Oberschenkel) und tibialen (Unterschenkel) Kanäle werden hier nicht gebohrt, sondern mit Diamanthohlschleifen gefräst. Dadurch erhält man zwei kortikospongiöse Knochenzylinder direkt aus den Kanälen. 

Tibial wird dann das Sehnentransplantat (sowohl als Hamstring-, Patellar- und Quadrizepssehnentransplantat geeignet) mit dem Knochenzylinder aus dem tibialen Kanal fest verbunden, wobei jedoch hier ein Knochenfenster freigelassen wird, damit nach der Transplantation eine direkte Knochen-Knochen-Heilung im Kanal stattfinden kann.

Durch die Flächenrekonstruktion mittels der Knochenzylinder lassen sich sowohl die zwei Bündel (anteromediales und posterolaterales Bündel), als auch der c-förmige Ansatz tibial des Original-Kreuzbandes rekonstruieren. 

Femoral wird das Transplantat ohne Knochenzylinder eingezogen. Dieser wird nach Einziehen der Kreuzbandplastik in 120 Grad Knieflexion durch den anteromedialen Arthroskopiezugang auf das sich im Kanal befindende Transplantat verpresst. Auch hier werden durch Flächenrekonstruktion die zwei Bündel in ihrer originalen Ansatzstelle optimal dargestellt.

Durch das Einziehen des Transplantats in hochgradiger Flexion, sowie das Verwenden des ursprünglichen Knochenmaterials und der gelenknahen Fixierung spannt sich die fertig verpresste Kreuzbandplastik in fortschreitender Extension des Kniegelenks – ebenso wie das natürliche Kreuzband – selbst an. 

Auch im Falle eines erneuten Kreuzbandrisses (Re-Ruptur) sind hier die Vorteile gegenüber konventionellen Operationsmethoden unter Verwendung von Fremdmaterial glasklar: 

Der natürliche Knochenstock ist vorhanden und da kein Fremdmaterial verwendet wurde, muss auch keines entfernt werden, was in den meisten Fällen mit großen Knochendefekten einhergeht. Dadurch ist keine für den Patienten unangenehme Spongiosaplastik notwendig, bei der Knochenmaterial aus anderen Körperregionen (meist aus dem Beckenkamm) in die Defekte in den Bohrkanälen transplantiert wird. Das heißt, die Revision nach ALL PRESS FIT ist in einem Schritt (einer Operation ähnlich der Primärversorgung) möglich. Auf eine zusätzliche Operation kann dadurch verzichtet werden. 

Auch die Nachbehandlung nach dieser biologischen und anatomischen Kreuzbandersatzplastik sieht eine schnellere Rehabilitation vor:

Nach wenigen Wochen (ca. drei bis vier) ist das verpresste Knochenmaterial in den Kanälen eingeheilt. Vollbelastung ist jedoch schon nach wenigen Tagen möglich. 

Nach dem Einheilen des Knochens kann der Patient bereits erste Sprints (die mit leichtem Skipping vortrainiert werden sollten) beginnen, um so wieder Anpassungsreize des Knochens, der Sehnen und Bänder an Belastung zu setzen, und gleichzeitig die für die Stabilität des Kniegelenkes so wichtige Muskulatur des vorderen und hinteren Oberschenkels, sowie der Wade zu trainieren.

Der Patient ist somit schneller wieder in der Lage den Alltag zu bewältigen und dadurch auch früher in das Berufsleben wieder einzusteigen.