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Knieschmerzen - Warnsignale des Körpers, die Sie nicht ignorieren sollten

Meldet sich der eigene Körper mit Knieschmerzen, kann dies die unterschiedlichsten Ursachen haben. Auch können sie spontan auftreten ohne erklärliche Ursache, bedingt durch ein Trauma oder in einem schleichenden Prozess. Schmerzen jeglicher Art sind Warnsignale des Körpers, die man aufgrund der Vielfalt und Komplexität ihrer Ursachen nicht ignorieren sollte.

Lokalisation des Schmerzes, Zeitpunkt des Auftretens der Beschwerden und Schmerzprovokationen können Hinweise auf die Ursache geben. Aus diesem Grund sollten diese Punkte bei einer Konsultation von einem Facharzt diesem auch mitgeteilt werden. Durch eine zielgerichtete individuell abgestimmte Therapie können spätere und Langzeitfolgen verringert werden.

Unterteilt man die Schmerzen nach Lokalisation im und am Kniegelenk lassen sich folgende Bereiche unterscheiden:


1. Vorderer (anteriorer) Knieschmerz neben (parapatellar) und hinter (retropatellar) der Kniescheibe (Patella)

Knieschmerzen 01

Befindet sich der Schmerz vorne am Knie hinter und/oder neben der Kniescheibe, kann auch dies unterschiedliche Ursachen haben. Ein Schmerz retropatellar (hinter der Kniescheibe) kann ausgelöst werden durch Verschleiß und Arthrose des Knorpels der Kniescheibe (Retropatellararthrose). Dieser äußert sich z.B. insbesondere beim Treppen abwärts gehen und bei Bewegungen, bei welchen das Knie aktiv gegen Widerstand gestreckt wird, wie es auch bei einigen Trainingsvarianten (z.B. Beinpresse, Beinstreck-Maschine) der Fall ist. Bei solchen Ausführungen wird die Kniescheibe (Patella) durch die Muskelanspannung im vorderen vierköpfigen Oberschenkelmuskel (m. quadrizeps) besonders stark in ihr Gleitlager im vorderen Oberschenkel (Trochlea) gedrückt. Es kann zu Krepitation des Knorpels hinter der Kniescheibe kommen. 

Befindet sich der Knieschmerz seitlich innen (medial) oder seitlich außen (lateral) der Kniescheibe kann dies die typische Symptomatik des Plica-Syndroms verkörpern. Die Plica ist die Gelenkschleimhaut im Kniegelenk. Bei schlechter Muskelführung der Kniescheibe und/oder starken Reizen (z.B. häufiges Knien als Fliesenleger) kann es zur Einklemmung und Vernarbung der Gelenkschleimhaut kommen.

 2. Innerer (medialer) Knieschmerz

Knieschmerzen 02An der Innenseite des Kniegelenks befinden sich mehrere Strukturen, die Beschwerden hervorrufen können. Schmerzt die Innenseite des Kniegelenks kann dies auf eine Beteiligung des Innenbandes (mediales Kollateralband) und/oder des Innenmeniskus hindeuten. Akut auftretende Beschwerden und ein stattgefundenes Trauma in der Vergangenheit würden diese Erklärung unterstützen. Im Gegensatz hierzu würde ein belastungsabhängiger Schmerz für eine Arthrose des medialen (inneren) Gelenkkompartimentes zwischen Oberschenkel (Femur) und Unterschenkel (Tibia) sprechen. Eine Fehlstellung der Beinachse in Gestalt von O-Beinen (Varus-Fehlstellung) würde ebenfalls dafür sprechen.

 

3. Äußerer (lateraler) Knieschmerz

Knieschmerzen 03

Analog zur Knieinnenseite befindet sich auch an der Außenseite ein Seitenband (laterales Kollateralband bzw. Außenband), sowie ein Meniskus (der Außenmeniskus). Sind diese Strukturen z.B. traumatisch bedingt verletzt, können sie Schmerzen verursachen, z.B. Druckdolenz. Treten die Beschwerden jedoch belastungsbedingt auf, spricht dies auch hierfür wieder eher für Verschleiß bzw. für eine Arthrose des äußeren Gelenkfaches. Eine Valgus-Fehlstellung des Kniegelenkes (X-Beine) würde diese Problematik verstärken.

Eine gänzlich andere Problematik und Symptomatik ist eine komplexe Instabilität des Kniegelenkes. Dieses äußert sich in sogenannten „Giving-way“-Phänomenen. Als solche bezeichnet man das Wegknicken, bzw. Weggleiten des Gelenkes bei bereits einfacher normaler Belastung, wie Gehen, Stehen, Treppensteigen. Ist dies der Fall deutet es auf eine Beteiligung der Bandstrukturen im Kniegelenk, wie der Kreuzbänder hin. Ist eines der beiden oder beide verletzt, sind sie nicht mehr in der Lage, das Kniegelenk vor allem in der tibialen Translation (Bewegung des Unterschenkels gegenüber dem Oberschenkel) zu stabilisieren, aber auch in der Rotation (Drehung). Durch die durch Instabilität hervorgerufenen Verrenkungen des Gelenkes, können weitere Strukturen (wie Knorpel und Menisken) beschädigt werden.

Das Knie ist das größte Gelenk und gleichzeitig eines der am meisten belastetsten Gelenke des menschlichen Körpers. In seiner Anatomie ist es sehr komplex. Ebenso komplex sind daher die Ursachen für Beschwerden. Die oben genannten Erklärungen sind lediglich die am häufigsten und nahe liegende Ursachen für Beschwerden und Schmerzen im Kniegelenk. 

Treten diese Symptome auf, sollte man nicht allzu lange mit der Konsultation eines Facharztes warten, um die Beschwerden abklären zu lassen, sowie Folge- und Langzeitschäden zu vermeiden. Der Zeitpunkt der Behandlung bspw. nach einer Verletzung (z.B. Kreuzbandriss) kann ausschlaggebend sein für ihre nachfolgende Therapie.


Bilder Fotolia:
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