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Das Kniegelenk und seine Binnenstrukturen (Bänder, Menisken, Knorpel)

Das Kniegelenk ist das größte und eines der wichtigsten Gelenke unseres Körpers, da es bei jedem Schritt beteiligt ist und auf das Gelenk eine enorme Lastübertragung auf das Gelenk stattfindet.

Das Kniegelenk und seine Binnenstruktur 01Das Kniegelenk ist die Verbindungsstelle zwischen Femur (Oberschenkelknochen) und Tibia (Schienbein). Zusätzlich befindet sich vorne die Patella (Kniescheibe). Man spricht beim Kniegelenk auch von einem zusammengesetzten Gelenk, bestehend aus dem Femoropatellargelenk und dem Femorotibialgelenk – abgeleitet von den lateinischen Bezeichnungen der Gelenkpartner. Außer diesen knöchernden Gelenkpartnern befinden sich noch andere – bindegewebsartige- (weiche) Strukturen in dem Gelenk, wie z.B. die Menisken, die Kreuzbänder und der hyaline Knorpel. Insbesondere die eben genannten Strukturen leiden häufig unter den Folgen von Sportverletzungen, aber auch unter denen degenerativer Prozesse.

Damit ein im wahrsten Sinne ein reibungsloser (bzw. –armer) Bewegungsablauf möglich ist und um langfristige Schäden zu vermeiden, müssen alle Strukturen ihre Aufgabe erfüllen.

Der hyaline Knorpel: Unter dem Lichtmikroskop könnte man den sogenannten Gelenkknorpel als gleichmäßige Masse beschreiben, da seine Kollagenfasern (Typ II) so nicht zu differenzieren sind. Er ist fest mit dem darunter liegenden Knochen verbunden. Die Aufgabe des Gelenkknorpels ist zum einen aufgrund seiner Druckelastizität Stöße auf das Gelenk abzudämpfen, zum anderen aber auch eine für eine glatte Oberfläche im Gelenkraum zu sorgen. Der hyaline Knorpel ist sowohl auf den Oberschenkelrollen, als auch auf dem Plateau des Schienbeins zu finden. Von einer Arthrose spricht man u.a, wenn die Knorpelstrukturen verletzt sind. Der Grad lässt sich durch das Ausmaß der Knorpelabnutzung bestimmen (z.B. Grad IV- Knorpelaufbrauch bis auf den Knochen).

Die Menisken: Im menschlichen Kniegelenk befinden sich zwei Menisken – der Außen- und der Innenmeniskus. (Meniscus lateralis und meniscus medialis). Man könnte sie als Gelenkscheiben bezeichnen. Sie sind sie aus Faserknorpel (Kollagen Typ I und II) aufgebaut und vergrößern die Auflagefläche der Gelenkrollen (Kondylen) des Femurs, wodurch eine gleichmäßigere Druckverteilung entsteht. Durch die Einfassung der Oberschenkelrollen gleichen sie Unregelmäßigkeiten aus und stabilisieren das Kniegelenk bei Gleit- und Rotationsbewegungen.

Die Kreuzbänder: Die Kreuzbänder haben ebenso wie die Menisken die Aufgabe, das Kniegelenk bei sogenannten Gleit- und Rotationsbewegungen zu stabilisieren. Auch hiervon sind zwei im menschlichen Knie vorhanden; das vordere Kreuzband (lat: ligamentum cruciatium anterius (LCA), eng: anterior cruciate ligament (ACL)) und das hintere Kreuzband (lat: ligamentum cruciatum posterius (LCP), eng: posterior cruciate ligament (PCL)). Die Kreuzbänder sind die beiden zentralen Bandstrukturen im Kniegelenk. Sie stabilisieren das Gelenk in der Bewegung nach vorne (anterior) und hinten (posterior) [Translationsstabilität], aber auch in der Drehung [Rotationsstabilität].

Das vordere Kreuzband verläuft vereinfacht ausgedrückt von oben-außen-hinten nach unten-innen-vorne. Das hintere dementsprechend von oben-innen-vorne nach unten-außen-hinten. Beide Kreuzbänder unterteilt man in der Medizin in zwei Bündel;

Beim vorderen Kreuzband sind es das anteromediale und posterolaterale Bündel, beim hinteren Kreuzband das anterolaterale und posteromediale Bündel.

Die Bezeichnung kamen den Bündel aufgrund ihrer Insertionen im tibialen und femoralen Bereich zu. Beim vorderen Kreuzband ist das anteromediale Bündel hauptverantwortlich für das Verhindern eines zu starken Tibiavorschubes gegenüber dem Femur, wohingegen das posterolaterale Bündel insbesondere bei der Rotationsstabilität eine große Bedeutung besitzt.

Wird das Gelenk gestreckt oder gebeugt, rollen und gleiten Ober- und Unterschenkel synchron aufeinander. Diese Bewegung wird durch die beiden Kreuzbänder geführt.

Hätten wir keine Kreuzbänder, könnte es zu schweren Verrenkungen der beiden Gelenkpartner (Ober- und Unterschenkel) sowie zu chronischen Überbelastungen von Menisken und Knorpel kommen, da die harmonische Roll-Gleit-Bewegung nicht unerheblich gestört ist.

Dies kann auch die Folge eines unbehandelten Kreuzbandrisses sein.

Sonstige Strukturen:

Abgesehen von den Kreuzbändern sind - allerdings außerhalb des Gelenks - noch verschiedene weitere Bandstrukturen vorhanden, wie die Seitenbänder, bestehend aus dem Innenband (ligamentum collaterale mediale) und dem Außenband (ligamentum collaterale laterale). Diese verhindern, dass das Knie bei Biegebewegungen seitlich aufklappt, was bei sogenanntem Valgus- und Varusstress geschehen würden. Valgus würde übersetzt ein übertriebenes X-Bein bedeuten. Das Innenband verhindert hierbei, dass das innere Gelenkfach aufklappt. Selbiges gilt bei Varusstress (übertriebenes O-Bein) für das Außenband und das äußere Gelenkfach.

Neben den Bandstrukturen sind auch noch die Plica (Gelenkschleimhaut), Schleimbeutel (Bursa) und der Hoffa’sche Fettkörper im Kniegelenk vorhanden.

Grundlegend kann man sagen, dass die Kreuz-, sowie die Seitenbänder in ihrer Funktion die Menisken schützen, welche wiederrum als Hauptaufgabe den Schutz des hyalinen Knorpels haben (der natürlich auch durch die funktonierenen Bandstrukturen geschützt wird).

Bei Verletzungen und degenerativen Prozessen ist der Schutz des Knorpels und aller anderen Strukturen und somit das Verringern des Arthroserisikos (Gonarthrose) demnach auch das grundlegende Ziel der Kreuzband- und Meniskuschirurgie.


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Tags: arthroskopie, kreuzbandriss, Knie, Kniegelenk, Kreuzband, Meniskus, Knorpel, Arthrose, Gonarthrose, Knie-OP