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Knorpelläsionen und Gonarthrose

Bei Verletzungen des Knorpels lassen sich zwei Hauptursachen differenzieren: Zum einen entzündlich-chronisch-degenerative (Arthrose) und zum anderen die traumatische durch einen Unfall. Bei letzterem ist oft nur eine von der Fläche kleinerer und von gesundem Knorpelgewebe umgrenzter Defekt vorhanden. Bei Arthrose ganze Gelenkanteile (Kompartimente) bis hin zum gesamten Kniegelenk.

Arthrose – eine Volkskrankheit.

Bei der Arthrose spricht man vereinfacht ausgedrückt von einem (übermäßigen) entzündlich-degenerativen Prozess (Verschleiß) des Knorpelgewebes.
Ist das Kniegelenk von einer Arthrose betroffen spricht man von einer Gonarthrose (abgeleitet vom lateinischen Namen genus (=Knie)), die sich noch unterteilen lässt abhängig davon, welche Gelenkanteile betroffen sind:

  1. Knropelläsionen und Gonarthrose 01Mediale (Varus-) Gonarthrose,
  2. Laterale (Valgus-) Gonarthrose,
  3. Retropatellararthrose (hinter der Kniescheibe) oder
  4. Pangonarthrose (alle Gelenkanteile betroffen).

Ein reiner Alterungsprozess des Gelenks kann jedoch nicht mit der Entwicklung einer Arthrose gleichgesetzt werden, da ersterer die, durch die Alterung einsetzenden Gelenkveränderungen beinhaltet, wie bspw. ein endgradiges Streckdefizit – bei jedoch Schmerzfreiheit. Sicherere radiologische Arthrosezeichen wie z.B. Osteophyten (Knochenausziehungen) und Gelenkspaltverschmälerungen – aber auch der Arthroseschmerz – fehlen.

Die Ursachen für Gonarthrose können sehr unterschiedlich sein. Im femoropatellaren Gelenk kann beispielsweise eine Dysplasie (Fehlstellung) der Patella ursächlich sein. Ist im femorotibialen Bereich nur das innere oder äußere Gelenkfach betroffen, spricht man von einer unikompartimentalen Arthrose, oft verursacht durch Achsfehlstellungen (O-Bein oder X-Bein).

Bei einer Varusfehlstellung (O-Bein) is nicht selten nur das mediale (innnere) Gelenkfach betroffen – bei einer Valgusfehlstellung (X-Bein) entsprechend entgegengesetzt das äußere Gelenkkompartiment.

Neben Achsfehlstellungen und Dysplasien der Gelenkpartner, spielen aber auch Traumata und Instabilitäten, die durch eine Verletzung von Bandstrukturen (z.B. vordere Kreuzbandruptur) hervorgerufen wird, eine nicht unwesentliche Rolle bei der Entstehung von Gonarthrose. Aus diesem Grund sollte sowohl in der Band- als auch in der Meniskuschirurgie der Erhalt und die Suffizienz der Original- und Ersatzstrukturen der zentrale Pfeiler und Ziel der Behandlung sein. 

Der Krankheitsverlauf von Arthrose wird in der Medizin in vier Hauptstadien unterschieden – abhängig von Abrieb und Zerstörung des Knorpels und Knochens, aber auch der Entwicklung der umliegenden Gewebe. 

Knropelläsionen und Gonarthrose 02

Stadium 1: Im ersten Stadium ist der Knorpel im Gelenk verschmälert, wodurch ebenfalls eine Gelenkspaltverschmälerung resultiert. Der Betroffene verspürt Schmerzen unter der Belastungen und es kommt zu Verspannungen der umliegenden Muskulatur.

Stadium 2: Der Gelenkspaltaufbrauch verstärkt sich und es kommt oftmals bereits bei Bewegung des Gelenkes zu Schmerzen. Für diese können sowohl die Muskulatur und Sehnen aufgrund der Verhärtungen kausal sein. Typisch für Arthrose in diesem Stadium ist bereits auch der sogenannte Einlaufschmerz, der jedoch bei bleibender Aktivität wieder nachlässt. 

Stadium 3: Es kommt zu Bewegungseinschränkungen (wie z.B. Streckdefizit) aufgrund der Weichteilverkürzungen (Sehnen) und der im Krankheitsverlauf zunehmenden Verformung des Gelenkes. Eine Schwellung ist ebenfalls zu beobachten. Der Schmerz nimmt zu. 

Stadium 4: Ist die Erkrankung bereits soweit fortgeschritten, ist ein kompletter Gelenkspaltaufbrauch zu verzeichnen. Der Patient empfindet nahezu einen Dauerschmerz – auch in Ruhe. Der Knochen ist angegriffen und liegt offen. Er beginnt, Zysten und Osteophyten an den Randzonen der Gelenkflächen zu bilden.

Dem subjektiven Schmerzempfinden sollte bei der Behandlung und Therapie von Arthrose die Hauptbedeutung zukommen. 

Durch die Beteiligung des subchondralen (unter dem Knorpel liegenden) Knochens kommt es zu einer Reaktion dessen und einem Umbau, mit dem eine Minderung der Eigenschaften des Knochens (wie z.B. Energieabsorbtion) einhergeht. 

Knorpelschäden können – wie oben angedeutet – auch aufgrund eines Traumas abgegrenzt und ohne das bereite Leiden unter Arthrose hervorgerufen werden. Diese werden als chondrale Defekte oder osteochondrale Defekte (mit Beteiligung des Knochens) beschrieben.

Nach heutigem Kenntnisstand ist Arthrose nicht heilbar, da der hyaline Gelenkknorpel nicht in der Lage ist, sich zu regenerieren. Dies findet u.a. seine Ursache in der Avaskularität (Nicht-Durchblutung) des Knorpelgewebes. 

Lediglich Reparationsvorgänge sind zu beobachten und gezielt – operativ (s.u.) und konservativ - zu provozieren möglich. Hierbei bildet sich jedoch kein hyaliner Knorpel, sondern ein kollagener Faserknorpel, der gegenüber dem hyalinen Knorpel unterlegene mechanische Eigenschaften besitzt, aus. 

Sowohl für die chronisch-entzündliche degenerative Arthrose, als auch für traumatisch bedingte Knorpeldefekte gibt es sowohl operative als auch konservative Optionen der Therapie.


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