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99 Fragen und Antworten rund um das Kreuzband

Kreuzbandriss - und nun ?

Kreuzbandriss - und nun ?Ein Kreuzbandriss ist für fast jeden Patienten, insbesondere Sportler, erst mal ein großer Schock. In den Medien tendiert man dazu, Dinge zu versimpeln und über einen Kamm zu scheren. Doch ein Kreuzbandriss gleicht nicht jedem anderen. So kann ein Kreuzband nur teilweise ruptiert sein oder komplett. Es kann zu Kollateralschäden an Meniskus, Knorpel oder Knochen kommen, die den weiteren Verlauf der Reha mit bestimmen.

Es gibt Patienten, die merken gar nicht den Funktionsverlust ihres vorderen Kreuzbandes und es gibt Patienten, die sich nach einer Ruptur komplett instabil im Knie fühlen. Weiterhin unterscheidet man zwischen 3 unterschiedliche Unfallmechanismen, die man durch bestimmte Trainingstechniken verbeugen kann. Diese sollten ebenfalls bei der Planung der Reha und Prävention mit berücksichtigt werden.

In der Wissenschaft ist inzwischen gesichert, dass ein Kreuzbandriss durch ein bestimmtes Risikoprofil stark begünstigt ist: Kann aber von Patient zu Patient variieren. Hinzu kommt, dass sich teilweise die OP-Techniken sehr stark unterscheiden. Zu aller Letzt darf man nicht übersehen, dass jeder Mensch in seiner Regeneration, in seinem Muskelstatus, in seinem Schmerzempfinden und seiner Fähigkeit Dinge zu erlernen, sehr individuell ist. 

Wie bei jeder anderen Verletzung ist also eine gute Zusammenarbeit von Arzt, Physiotherapeut und Patient wichtig, um eine erfolgreiche Operation sowie Genesung zu gewährleisten. Ein Kreuzbandersatz ist sicherlich mit der Operation allein erfolgt. Eine gesundes und funktionierendes Knie jedoch ist erst mit viel Mühe, Fleiß und Geduld in der Nachsorge zu erlangen.
Um deine Fragen und Unsicherheit etwas zu besänftigen, haben wir einen Fragenkatalog rund um das Thema Kreuzbandriss mit Antworten entwickelt. Hier findest du kurz und bündig kleine Tipps und Tricks bezüglich Operation und Rehabilitation.

Was ist das vordere Kreuzband ? Wo befindet es sich ?

Das vordere Kreuzband befindet sich im Knie und verbindet den Oberschenkel mit dem Unterschenkel. Es läuft von der Vorderkante des Unterschenkelknochens nach hinten zum inneren Teil des äußeren Kondylus am Oberschenkelknochen. Der Gegenspieler zum vorderen Kreuzband ist das hintere. Beide sorgen zusammen für ein hohes Maß an Stabilität im Kniegelenk.

Denn im Gegensatz zu anderen Gelenken ist das Kniegelenk nicht primär muskulär gesichert, sondern über Bänder. Die Anatomie der Kreuzbänder bestimmt die physiologische Roll-Gleit-Bewegung im Kniegelenk beim Beugen und Strecken. Fehlt nun das vordere Kreuzband, ist der Mechanismus gestört. Es kann z.B. die Entstehung von erfrühter Arthrose begünstigen.

Welche Funktion hat es ?

Das vordere Kreuzband verhindert die vordere Schublade. D.h., dass sich der Unterschenkelknochen im Verhältnis zum Oberschenkelknochen nach vorne schiebt. Durch seinen Verlauf vom äußeren Kondylus zur Mitte des Unterschenkelknochens begrenzt es außerdem eine übermäßige Innenrotation des Unterschenkels.

Seine dritte Funktion besteht darin das Abgleiten des Oberschenkelknochens gegenüber dem Unterschenkel in hohen Flexionswinkeln zu begrenzen. Der Oberschenkelknochen dreht dann vermehrt um eine Achse und rutscht nicht nach hinten ab.

Bei welchen Bewegungen wird es belastet ?

Die Belastung des vorderen Kreuzbandes ist in der endgradigen Streckung besonders hoch, da die Quadrizepssehne den Unterschenkelknochen nach vorne zieht. In Flexionswinkeln über 90° steigt die Belastung ebenfalls an.

Wann sollte eine OP gemacht werden ? Wann kann man Sie umgehen ?

Diese Frage kann man leider nicht pauschal beantworten, da sie sehr stark von intrinsischen Faktoren wie z.B. Zielen, Aktivitäten, subjektivem Leidensdruck usw. abhängt. Allgemein kann man festhalten, dass nicht jeder Kreuzbandriss operiert werden muss. So leben manche Menschen jahrelang ohne ein vorderes Kreuzband sehr gut.

Insbesondere bei älteren Patient rät man dann auch von einer OP ab. Sie leben teilweise  deutlich besser als Personen, bei denen die OP schief gegangen ist. Andere wiederum haben ständig ein instabiles Gefühl im Kniegelenk und klagen über „Giving ways“. Bei diesen würde man zu einer Operation raten. Auch Sportlern wird dringend eine Operation empfohlen, um die nötige Stabilität für die sportliche Betätigung wieder zu erlangen.

Ansonsten droht die Gefahr, dass beim Wegdrehen des Knies so viel Halt fehlt, dass es noch zu deutlich größeren Schäden an Meniskus und Knorpel kommen kann. Eine kritische Analyse der subjektiven Situation sollte mit einem Arzt in jedem Falle vorgenommen werden, bevor es zu einer Operation kommt.

Wie hoch ist die Belastbarkeit deines normalen Kreuzbandes und deines Transplantates ?

Das  ursprüngliche Kreuzband widersteht in der Regel ungefähr 2000 Newton. Dieser Wert ist lediglich ein Richtwert und kann zwischen den Individuen schwanken, da die Reißfestigkeit z.B. von der Struktur und der körpereigenen Zusammensetzung des  Bandmaterials abhängt. Die Reißfestigkeit des eingezogenen Patellatransplantates konnte in einer biomechanischen Studie mit 2238N (+/- 316) nachgewiesen werden. Die vierfach gebündelte Semitendinosussehne (der hinteren Oberschenkelmuskulatur) kann sogar 4000 Newton standhalten.

Bei alternativen Operationstechniken, bei denen das ursprüngliche Band durch eine Anfrischung von eigenen Stammzellen wieder zusammen heilt (z.B. Ligamys-Methode, Healing response), ist die Reißfestigkeit deutlich geringer, da die Strukturen nach der Op erst mal zusammen wachsen müssen. Bei Ligamys ist deswegen in den ersten 5 Tagen eine Streckbegrenzung mit einer Schiene nötig.

Bei der Healing response ist eine Streckbegrenzung von 20° in den ersten vier Wochen nötig, da kein Faden als zusätzliche Stabilisierung vorhanden ist.
Dafür ist bei der Healing response keine Nachoperation notwendig, um die Feder zu entfernen und es können keine Abstoßungsreaktionen durch Fremdmaterial entstehen.

Semitendinosus, Patella oder Quadrizeps ?

Die beiden herkömmlichsten Transplantate sind die Semitendinosus- und Patellasehne. Die Semitendinosussehne ist Teil des Muskelapparates der hinteren Oberschenkelmuskulatur. Die Patellasehne verbindet die Kniescheibe mit dem Unterschenkelknochen. Die Patellasehne hat durch ihre netzartige Struktur eine höhere Reißfestigkeit als die Semitendinosussehne.

Manche Studien zeigen, dass die Re-Rupturquoten der Patellatransplantate geringer sind als der Hamstringsehnen. Leider kommt es aber zu vermehrten Patellaspitzensyndromen nach dem Eingriff, unter dem die Patienten teilweise massiv leiden. Deswegen sollte man sehr genau abwägen, welche Sehne man nehmen möchte.

Eine neuere Möglichkeit bietet die Entnahme der Quadrizepssehne. Hier wird ein Streifen der Quadrizepssehne plus Knochenstück von der Kniescheibe entnommen. Dieses wird dann wie alle anderen Transplantate ins Knie eingezogen. Die ersten Ergebnisse waren bisher sehr positiv. Eine weitere Alternative ist die Gracilis-Sehne.

Press-Fit, Schrauben oder Buttons ? Welche OP-Techniken gibt es ?

Bei den Operationstechniken unterscheidet man zwischen den drei oben angeführten Verfahren. Bei allen Verfahren muss eine Sehne eingesetzt werden. Diese stammt aus dem eigenen Körper, einer Leiche oder wurde künstlich gefertigt. Die Sehnenentnahme einer Leiche ist recht kritisch zu betrachten, da das Gewebe andere MHCII-Komplexe aufweist und das Material abgestoßen werden kann. Auch die Ergebnisse mit künstlichen Materialien waren bisher recht mangelhaft. Deshalb hat sich hauptsächlich die Verwendung von eigenen Sehnen durchgesetzt. Doch nicht nur die Sehne, sondern auch die Art der Verankerung wie oben dargestellt kann sich in den Operationsverfahren unterscheiden.


Bei der Verwendung von Schrauben und Buttons wird Fremdmaterial in den Körper eingeführt, das in der Regel zunächst zu einer Abstoßungs- oder Entzündungsreaktion im Knie führt. Deshalb hat man unter anderem in den ersten Wochen ein recht geschwollenes Knie. Die Schrauben werden in den Knochen gedreht, wobei sich das Transplantat um die Schraube wickelt. Sie befinden sich direkt im Knochen. Die Endo-Buttons sind eine Art Widerhaken, die sich am äußeren Rand des Oberschenkelknochens verankern. Zwischen das Transplantat und den Endo-Button wird in der Regel ein Faden gespannt, um die ausreichende Länge zu gewährleisten.


Bei der Press-Fit-Methode wird meistens die Patellasehne verwendet. Dabei entnimmt man zuzüglich zum Transplantat noch etwas Knochenmaterial. Dieses Knochenmaterial wird dann in den Oberschenkelknochen gepresst. Der entscheidende Vorteil dieser Operationstechnik ist, dass kein Fremdmaterial in den Körper gelangt und die Entzündungsreaktion häufig weniger stark ausfällt. Insbesondere bei Patienten mit Allergien auf bestimmte Materialien bietet sich diese Technik an.

Wie funktionieren die traditionellen Operationstechniken ?

Bei den traditionellen Operationstechniken bohren die Chirurgen zwei Löcher: eins in den Unterschenkelknochen und eins in den Oberschenkelknochen. Vorher entnehmen die Chirurgen eine Sehne: entweder von den hinteren Oberschenkelsehnen oder an der Patella.

Diese Sehne wird dann in die Bohrlöcher eingeführt und mit Schrauben oder Endo-Buttons fixiert. Bei der Press-Fit-Verankerung erfolgt die Fixierung dann direkt über den Anpressdruck zwischen den Knochen. 

Wie funktioniert „All-Press-Fit ?“

Im Gegensatz zu den herkömmlichen Techniken kommt bei der Operation kein Bohrer zum Einsatz, sondern eine Hohlfräse. Dadurch wird der Knochen nicht zu Bohrmehl, sondern man erhält einen Knochendübel. Dieser Knöchendübel wird dann anstatt einer Schraube für die Verankerung des Transplantates verwendet.

Die Vorteile sind eine

  • deutlich geringe Schwellung, die bereits nach knapp einer Woche fast abgeklungen ist, Flächenrekonstruktion, anatomiegerechtes Transplantat
  • ist der Schraubenverankerung in der Festigkeit mindestens adäquat

Was muss ein Operateur bei der Operation dringend beachten, damit das Transplantat gut sitzt ?

Für eine erfolgreiche Operation muss der Operateur folgende drei Dinge dringendst beachten:

  • Die Kanäle müssen anatomisch gerecht an den ursprünglichen Ansätzen platziert werden.
  • Das Transplantat muss die gleiche Länge wie das ursprüngliche Kreuzband haben. Ist es zu lang, kommt es zu einem zu großen Spiel im Kniegelenk bei der vorderen Schublade. Ist es zu kurz, kann es zu Bewegungseinschränkung in der endgradigen Streckung kommen.
  • Die Kanäle müssen in einem bestimmten Winkel gebohrt werden, damit das Transplantat im Knie gut verläuft und bestimmte Anteile nicht übermäßig unter Spannung geraten.

Warum muss ich mein Knie mit der Schraubentechnik 1-2 Wochen teilentlasten ? In wie fern haben Operationstechniken Einfluss auf die Belastbarkeit ?

Obwohl das Transplantat selbst eine ausgesprochen hohe Reißfestigkeit aufweist, kann man nicht nach allen Operationstechniken das Knie gleich stark belasten, da auch die Verankerung eine entscheidende Rolle spielt. Im Schnitt beträgt die Haftung von Schrauben, Endo-Buttons oder der „Press-Fit Technik“ zwischen 500-900 Newton. Diese Werte sind aber durchaus etwas umstritten. Allen Techniken ist dabei gemein, dass die Ausreißfestigkeit über der alltäglichen Belastung wie Gehen (~300 Newton) und hinsetzen und aufstehen (~max. 150 Newton) liegt und somit keine Gefahr bestehen sollte, dass das Transplantat auch bei Vollbelastung ausreißt.

Schwierig wird es erst, wenn man schwer ist, man ruckartig belastet oder die hintere Oberschenkelmuskulatur nicht richtig greift und dadurch das vordere Kreuzband stärker unter Zug gesetzt wird. In jedem Falle sollte man in den ersten Tagen etwas Vorsicht walten lassen.

Die Healing response bildet hier eine Ausnahme. Da das Band ohne externe Hilfe wie Fäden wieder zusammen wächst, darf es nicht unter hohe Spannungen gesetzt werden. Eine Streckbegrenzung in den ersten 4 Wochen ist nötig.

Warum kann ich bei „All-Press-Fit“ sofort beim ersten postoperativen Tag voll belasten ?

Wie bereits oben dargestellt, werden bei dieser Methode keine Schrauben oder Endo-Buttons verwendet, sondern körpereigene Knochendübel. Diese Dübel weiten sich im Kanal noch mal aus, sobald sie eingesetzt wurden. Visco elastische Fließverformung.

Dies ist ein physiologischer Prozess. Dadurch sitzen sie nach der Operation so bombenfest, dass man sie nicht mehr heraus bekommen könnte.

„Healing response“. So wächst mein altes Kreuzband wieder in den Knochen ein.

Bei dieser Technik wird das alte Kreuzband lediglich „angefrischt“, sodass die regenerativen Prozesse angekurbelt werden. Das Kreuzband wird an das Femur gelegt und ein biologischer Prozess kommt in Gang, der für eine Einheilung des Transplantates an das Femur sorgt.

Das Anfrischen ist so eine Art „Aktivierung“ von körpereigenen Stammzellen. Diese Technik ist aber nur möglich, wenn man sich innerhalb 6 Wochen nach dem Unfall befindet und wenn das Band direkt am Femur ausgerissen wurde.

Die Ligamys-Methode

Eine neue, ähnliche Technik ist die Ligamys-Methode, welche das gleiche Prozedere hat. Dabei wird zusätzlich ein Faden im Kniegelenk aufgespannt, welcher dann über eine Feder im Unterschenkelknochen auf Spannung gehalten wird. Eine Nachoperation ist später nötig, um die Feder zu entfernen.

Was passiert bei einem Mensikusriss ? Meniskusnaht oder –teilentnahme ?

Was passiert bei einem Meniskusriss ?Der Meniskus ist so eine Art Puffer im Kniegelenk und ist eine etwas weichere, aber feste Substanz, die sich verformen kann. Dadurch kann der Meniskus zu einer optimalen Druckverteilung beitragen. Fehlt er, kommt es zu Druckspitzen im Kniegelenk und somit zu einer erfrühten Arthrose.

Ist der Meniskus im durchbluteten Randbereich gerissen, kann er noch bis 3 Monate nach dem Unfall genäht werden. Dieses nennt man die „rote Zone“. Ist er dagegen im inneren Teil (weiße Zone) gerissen, bestehen sehr geringe Chancen auf eine Heilung und der Meniskus muss bei Problemen wie z.B. Blockierung entnommen werden.

Wie hoch ist die Bewegungseinschränkung in den ersten postoperativen Wochen ?

Die Bewegungseinschränkung einer alleinigen Kreuzbandrekonstruktion beträgt in der Regel zwischen 0° und 90°.  Bei bestimmten Operationstechniken wie „Healing response“ beträgt die Strecklimitierung jedoch 20°, um das Kreuzband keinen Falls unter Zug zu setzen. Die Limitierung kann sich aber stark unterscheiden, wenn Begleitverletzungen auftreten.

Es wird auch bei einer Zerrung des Innenbandes, eine Strecklimitierung von 20° verordnet, um das passive Ausheilen zu gewährleisten. In der Regel muss man dann ab der 5. Woche post-OP exzessiv in die Streckung arbeiten, um kein Streckdefizit im Knie durch das Kreuzband zu erhalten. Ähnliches gilt für eine Außenbandverletzung.

In wie fern ist eine Orthese nach einer Operation sinnvoll ?

In wie fern ist eine Orthese nach einer Operation sinnvoll ?Eine Orthese ist ein Schienenapparat, der am Bein angelegt wird. Die meisten Orthesen für den Einsatz nach einer Kreuzbandplastik basieren auf dem 4-Punkt-Prinzip. Über diesen Mechanismus wird der Unterschenkelknochen nach hinten gepresst, um das vordere Kreuzband zu entlasten.

Außerdem ist die Sensomotorik im Knie durch den Unfall und die Operation in den ersten Wochen noch sehr mangelhaft, welches zu einer schlechten Aktivierung der umliegenden Muskeln führt. Dies wiederum äußert sich in Instabilitätsgefühlen.

Eine Orthese kann also durchaus in den ersten Wochen hilfreich sein, um sich möglichst schnell ohne Krücken im Alltag wieder einzufinden. Sobald man sich aber  sicher fühlt, sollte man sich den Gebrauch der Orthese wieder schnellst möglichst abtrainieren.

Welchen Einfluss hat eine Meniskusverletzung auf die ersten postoperativen Wochen ?

Die Rehabilitation hängt stark von der Operation ab. Bei einer Teilentnahme darf man bereits nach mehreren Tagen wieder voll belasten. Rad fahren wird von vielen Ärzten favorisiert, um die Gelenkbewegung zu fördern.

Bei einer Naht muss dagegen 6 Wochen teilentlastet werden, damit die Strukturen zusammen heilen können. Eine Naht sollte immer gegenüber eine Entnahme angestrebt werden, um die Menisken und Knorpel noch lange zu erhalten und keine Arthrose zu entwickeln.

Was passiert bei einem Knorpelschaden ?

Zwischen den Menisken und dem Knochen befindet sich Knorpel. Dieser zeichnet sich durch eine gute Druckverteilung, weil er sich verformen kann, durch einen minimalen Reibungswiderstand bei Gleitbewegungen, durch eine gute Permeabilität, sowie durch Langlebigkeit aus. Deshalb versucht man ihn wie die Menisken noch möglichst lange zu erhalten.

Die post-operative Belastungsgrenze nach einer Operation mit Eingriffen am Knorpel hängt stark vom Verfahren und der Lokalisation ab. Deshalb sollte man sich dringend an den Rat des Arztes halten und nicht an Angaben oder Aussagen aus dem Internet.

Wie unterscheidet sich eine Operation nach einer Re-Ruptur von meiner ersten Operation ?

Der größte Unterschied ist, dass man in der Regel zwei Operationen braucht. Der Knochenteil, in dem die Schraube vorher verankert war, muss ausgeräumt werden und mit neuem Knochenmaterial aufgefüllt werden.

Dazu gibt es verschiedenste Techniken. In der Regel muss man drei Monate warten bis man die eigentliche Kreuzbandrekonstruktion durchführen kann.

Warum ist gerade mir das Kreuzband gerissen ?

Warum ist gerade mir das Kreuzband gerissen ?Viele nehmen nach ihrem Unfall an, dass es einfach nur Pech gewesen wäre. Es ging zu schnell und man hätte es keinen Falls verhindern können. Doch die Wissenschaft ist in den letzten 20 Jahren immer mehr zu der Erkenntnis gekommen, dass ein Kreuzbandriss kein Zufall ist.

Es wurden eindeutige Risikofaktoren beschrieben und daraus präventive Programme abgeleitet. Teils mit einem einschlägigen Erfolg.

So konnten die Verletzungsquoten um über 30% gesenkt werden. In norwegischen Studien sogar um über 50%. Bekannte Programme sind das FIFA 11+ oder das Kieler-Handball-Programm.

Unser Artikel: "Warum Kreuzbandrisse kein Zufall sind"

Woher kommen die hohen Re-Rupturquoten ?

Manche Studien besagen, dass die Re-Rupturquoten bis zu 50% betragen. Im Schnitt geht man von ungefähr 25% aus. Diese hohen Re-Rupturquoten sind wohl durch drei Phänomene erklärbar.

  1. Manche Patienten steigen zu früh wieder in das Training ein.

  2. Viele Patienten durchlaufen eine mangelhafte Rehabilitation, in der vor allem die mittleren und letzten Phasen viel zu kurz kommen. Sportartspezifische  Vorbereitung wird von fast keinem gemacht.

  3. Das Aufholen der Defizite, durch die diese Verletzung häufig erst entsteht, kann nicht in 6 Monaten vollzogen werden. Anstatt einer kurzfristigen Rehabilitation bedarf es eher einer langfristigen Trainingsumstellung.

Unser Artikel: "Warum Kreuzbandrisse kein Zufall sind"

Warum auch dem anscheinend „fittesten“ Sportler das Kreuzband reißt.

Fitness oder Sportlichkeit hat nicht zwangsläufig etwas mit Athletik zu tun. Studien zeigen, dass insbesondere Fußballspieler in den Profiligen starke Defizite bei athletischen Übungen aufweisen. Sie leiden auch stärker unter Hüftproblemen als Amateursportler.

Sportlichkeit bedeutet in erster Linie eine Sportart gut zu beherrschen. Athletik bedeutet dagegen seinen Körper in jeder Position oder Bewegung perfekt unter Kontrolle zu haben. Man arbeitet dann gezielt in einer oder zwei Ebenen.

Ein Sportler gilt als sportlich, wenn er besonders schnell läuft, besonders hoch springt oder ein besonderes Auge sowie Ballgefühl hat. Ein guter Athlet beweist seine Fähigkeiten dagegen mit einer perfekten Ausführung von Ausfallschritten, Handständen, Kniebeugen, Armstützen, schneller Reaktivität, guter Balance usw. Dabei darf es nicht zu Kompensationsbewegungen wie z.B. X-Bein-Stellung, Hohlkreuz, Rundrücken oder Bewegungen in der dritten Ebene kommen.

Für das Verletzungspotential ist nicht die Sportlichkeit entscheidend, sondern alleine die Athletik! Eine schöne persönliche Erfahrungsgeschichte, findest du unter diesem Link von Guido. Auch der Dreiwettkampf hat ihn nicht vor dieser Verletzung im Fußball beschützt.

Artikel: "Der Kampf um den Fußball nach Kreuzbandriss –Guidos Geschichte" 

Welche Unfallmechanismen gibt es ?

Welche Unfallmechanismen gibt es ?In der Wissenschaft wird zwischen drei Typen unterschieden.

  1. Der vorderen Schublade,

  2. Einer Innenrotation des Unterschenkels bei fast durchgestrecktem Knie, und

  3. dem dynamischen Valgus.

Der dynamische Valgus wird häufig als eigenständiger Mechanismus propagiert, aber eigentlich ist er eine Mischform aus den ersten beiden Mechanismen. Die Valgusposition selbst entlastet nämlich sogar dein vorderes Kreuzband.

Das Fatale an dieser X-Bein-Stellung ist die biomechanische Kaskade, die in Gang gesetzt wird. Das äußere, instabile Kompartiment wird ungewöhnlich stark belastet und der Oberschenkelknochen wird nach hinten gedrückt.

Das versucht das vordere Kreuzband zu verhindern. Wird die Last  zu groß, reißt es durch. Bei diesem Vorgang kommt der Unterschenkelknochen also verhältnismäßig nach vorne (vordere Schublade) und der Unterschenkel dreht nach innen (2. Mechanismus).

In wie fern beeinflussen die Unfallmechanismen die Reha ?

Alle drei Mechanismen begründen auf etwas unterschiedlichen Defiziten, insbesondere im Hüftbereich. Bei der vorderen Schublade hat die hintere Oberschenkelmuskulatur nicht schnell oder stark genug gegriffen.

Bei einer Innenrotation des Unterschenkels sollte man insbesondere den Bizeps femoris und die Sensomotorik trainieren. Der dynamische Valgus ist durch ein gezieltes Hüftabduktoren und – außenrotatorentraining reduzierbar sowie durch ein Training der tiefen Wadenmuskulatur.

Ist das Knie wirklich „Schuld“ ? Wo liegen die eigentlichen Ursachen ?

Wenn die Räder am Auto sich nicht mehr drehen… ist dann das Rad Schuld? Nein. Meistens stimmt Irgendetwas nicht mehr mit dem Motor oder der Achse. Ähnlich ist es mit deinem Knie. Die Positionierung des Knies wird insbesondere durch das Sprunggelenk und die Hüfte determiniert.

Deswegen sollte in einer guten Kniereha eben nicht primär auf das Knie geachtet werden, sondern auf Sprung- und Hüftgelenk. Im folgenden Artikel wird die Korrelation von fußballspezifischen Bewegungen, Verletzungsrisiko und Ursache diskutiert. Insbesondere bei Fußballern findet man häufig eine Dysbalance zwischen Hüftab- und adduktoren.

Artikel: "Warum Fußballer häufig Kreuzbandverletzungenerleiden und wie du sie verhindern kannst"

Welche Defizite begünstigen diese Unfälle ?

10 gängige Risikofaktoren werden in der Literatur beschrieben: schlechte Propriozeption, schwache Oberschenkelrückseite sowie Pomuskulatur, ein erhöhtes Verhältnis von Quadrizepskraft zur Kraft der Oberschenkelrückseite (Quad/Ham-Ratio), schwache Hüftabduktoren, verringerte Mobilität, schlechte Rumpfstabilität, zu starke Differenzen zwischen den beiden Beinen, verringertes Abfedern nach Sprüngen und Fehlstellungen am Fuß.

Wie kann ich die 3 wichtigsten Defizite mit 3 kleinen Tests ermitteln ?

  1. Reaktiver Test für die Oberschenkelrückseite: Bei diesem Test legt sich der Patient mit dem Bauch auf eine Liege oder den Boden. Dann winkelt er den Unterschenkel auf 90° an. Eine weitere Person versucht den Unterschenkel ohne Vorwarnung nach hinten zu schlagen. Schafft die Person den Unterschenkel bis zum Boden zu schlagen, hat der Patient ein starkes Defizit in der muskulären Ansteuerung der hinteren Oberschenkelmuskulatur. Dieser Test sollte aber frühestens drei Monate postoperativ erfolgen, falls ein Hamstringtransplantat verwendet wurde.

  2. Einbeinige Kniebeuge: Der Patient stellt sich auf eine Treppenstufe oder einen Hocker. Dann geht er langsam in eine Kniebeugung. Dabei muss die Hüfte parallel zum Boden bleiben und der Oberkörper aufrecht. Die Mitte des Knie befindet sich unterhalb des Darmbeinvorsprungs und über der Mitte des Sprunggelenks. Hier erkennt man Abweichungen in der Becken-Bein-Achse.

  3. V-Test: Bei diesem Test platziert sich der Patient mit dem Rücken auf einer Liege oder dem Boden. Das Hüftgelenk ist auf circa 45° gebeugt und die Knie auf 90°. Eine zweite Person schiebt ihre flache Hand unter den Lendenwirbelbereich. Dann versucht der Patient dort Druck aufzubauen. Im nächsten Schritt versucht er die angewinkelten Beine vom Boden abzuheben. Lässt der Druck im Lendenwirbelbereich nach, hat er eine Schwäche in diesem Bereich, die gezielt auftrainiert werden muss.

Was muss also in der Rehabilitation gezielt aufgebaut werden ?

Alle Strukturen, die die oben aufgelisteten Defizite vermindern, müssen durch ein geeignetes Training aufgebaut werden. Dazu gehören die Kräftigung der Oberschenkelrückseite, der Hüftabduktoren, der tiefen Wadenmuskulatur und der unteren Bauchfasern.

Außerdem muss die Sensomotorik, die Reaktivität, die Schnelligkeit und die Ausdauer trainiert werden.

Wie kann ich mich vor weiteren Rupturen schützen ?

Nur ein geeignetes Training kann das Risiko einer weiteren Ruptur verhindern. Dazu gehört weder das Bankdrücken, noch das Hüftabduktorentraining auf der Maschine oder das Joggen.

Eine Kombination aus funktionellem Training, sensomotorischen Training, Cross-Fit, grundlegenden athletischen Übungen sowie Training der Explosivkraft werden dich vor weiteren Verletzungen schützen.  Und das nicht nur am Knie, sondern am ganzen Körper !

Mit welcher Einstellung schaffe ich die Rehabilitation am Besten ?

Geduld, Aneignung von Wissen, Disziplin, Leidenschaft und kritische Selbstbetrachtung sollten Bestandteile deiner Rehabilitation sein. Du brauchst 4 Wochen länger als andere ? Mach dich nicht verrückt. Du kannst etwas noch nicht ? Dann lerne es. Du verstehst etwas nicht ? Frag nach oder lies es dir an !

Machst du deinen Sport mit Leidenschaft und bist du bereit alles dafür zu tun ? Dann gibt es keine Ausreden im Training !

Warum eine gute Rehabilitation deine Leistung nachhaltig steigern kann.

Wie bereits oben dargestellt, wird die Verletzung häufig durch Defizite in bestimmten Bereichen hervorgerufen. Das schwächste Glied in der Kette wird dich immer zurück halten. In diesem Falle eins deiner Defizite.

Man nehme die Hüftabduktorenschwäche: Hast du dort eine Schwäche, kippt dein Becken bei einer Landung (z.B. Joggen oder Landung nach einem Angriff) zur Spielbeinseite hin ab. Nun brauchst du ganz viel Energie, um das Becken für den nächsten Schritt, wieder in die Höhe zu heben. Gleichzeitig verlierst du eine Menge Zeit. Insgesamt bist du also zum einen langsamer und zum anderen hast du eine verringerte Kontrolle über deinen Oberkörper. Dies macht es dir schwieriger den Ball oder das Sportgerät zu kontrollieren.

Was ist mein Ziel ? Wie beeinflusst das meinen Rehabilitationsverlauf ?

Wo möchtest du langfristig hin ? Ist es eine Ballsportart, das Rennrad, das Klettern oder Karate ? Das Ziel bestimmt hier den Weg. Nach den ersten Aufbauphasen werden die Trainingstechniken mehr und mehr voneinander abweichen und sollten auf dein individuelles Ziel abgestimmt werden.

Der Karatekämpfer muss ein Becken-Bein-Achsen Training bei bestimmten Schlägen und Ausweichmanövern einstudieren. Die Spieler von Ballsportarten müssen bestimmte Bewegungsabläufe mit und ohne Ball umschulen und der Kletterer sollte vor allem beidbeinige Landungen üben, falls er mal wieder fällt.

Welche Gelenke werden in der Reha adressiert ?

Alle ! Denn bei den meisten Übungen benutzt du den kompletten Körper. Primär stehen die Hüfte und der Rumpf im Mittelpunkt. Dann kommen Sprunggelenk und Schultergürtel und schließlich das Knie.

Denn wie in einer späteren Frage diskutiert, ist die Positionierung des Knies nur von den umgebenden Gelenken abhängig. 

Wie sieht der generelle Nachbehandlungsplan aus ? Was kommt in den nächsten 6-9 Monaten auf mich zu ?

Zunächst machst du isolierte Übungen oder Übungen mit weniger Last auf dem operierten Bein. Dann erfolgt der Übergang zum funktionellen Kräftigungstraining in den nächsten Wochen. Nach 2-3 Monaten fängst du mit ersten kleinen Sprüngen an sowie mit Koordinationsläufen.

Nach 4 Monaten kommt dann das erste Wendetraining und es können die Laufschuhe aus dem Schrank geholt werden. 5-7 Monate post-OP ist man dann schon wieder in der sportartspezifischen Vorbereitung. Dabei macht man bereits wieder sehr viele Übungen am Ball. Schließlich  erfolgt nach und nach die Integration in den Sport.

Beeinflusst meine Sportart den Zeitpunkt des Wiedereinstiegs ?

Ja ! Volleyballer können meistens nach knapp fünf Monaten wieder auf das Spielfeld. Der große Vorteil ist, dass sie keinen Gegnerkontakt haben. Handballer und Basketballer schon eher nach sechs Monaten und das Schlusslicht bilden die Fußballer mit 8-9 Monate.

Man muss aber auch zwischen Verletzungen mit und ohne Gegnerkontakt unterscheiden. Die Verletzungen durch Fouls entstehen nicht unbedingt durch Defizite im eigenen Körper und dadurch ist die Rehabilitation deutlich schneller.

Wie beeinflusst mein Fitnesslevel die ersten postoperativen Wochen in der Reha ?

Das Fitnessniveau determiniert den Schwierigkeitsgrad der gewählten Übung in der Reha und somit auch die Schnelligkeit des Fortschrittes. Patienten mit einem starken Hohlkreuz müssen z.B. zunächst isolierte Übungen auf dem Boden machen.

Patienten ohne diese Fehlhaltungen können direkt zu Liegestütz, Armstütz und Übungen am TRX übergehen. Jemand mit besonders schwachen Hüftabduktoren macht zunächst die „clam shell“ und steigert sich dann zu Ganzkörperübungen wie den „step ups“.

Warum gibt es in den ersten 4 Wochen gefühlte 100 verschiedene Nachbehandlungsschemata ?

Zum einen kommt es durch die vielen unterschiedlichen Operationstechniken, die heutzutage angeboten werden. Zum anderen ist es aber auch durch mangelhafte Kenntnisse in biomechanischen Bereichen erklärbar. Den Physiotherapeuten werden leider teils falsche Informationen in Fortbildungen mit auf den Weg gegeben, sodass es dann zu Verwirrungen unterhalb der Fachschaft kommt.

Dies führt zu Unsicherheit und viele Physiotherapeuten trainieren ihre Patienten zu einem gewissen Teil nach Gefühl und Erfahrung. Häufig parken sie ihre Patienten viel zu lange auf der Bank aus Angst es könne etwas passieren. Mit fatalen Folgen für den Patienten, da die Genesung rausgezögert wird.

Falls du dir in deiner Rehabilitation unsicher und unterfordert vorkommst, kannst du mal einen Blick in unser Trainingsbuch werfen. Der Plan basiert auf aktuellen biomechanischen Daten und physiologischem Wissen.

Was kann ich von der Physiotherapie erwarten ?

Was kann ich von der Physiotherapie erwarten ?Die Physiotherapie ist nicht da, um dich wieder zu einem Top-Athleten zu machen. Sondern nur eine Grundversorgung. Laut Gesetzbuch sind die Kassen verpflichtet nur das NÖTIGSTE zu zahlen, da sonst der Kostenberg nicht mehr auszudenken wäre ! Deshalb erwarte nicht, dass du mit zwei Rezepten genesen bist.

Es erfordert viel Eigeninitiative, um wirklich wieder gesund zu werden. Setze deine Rezepte also ganz geschickt ein und „verbrate“ sie nicht innerhalb von ein paar Tagen.

Nutze die Zeit mit dem Therapeuten, um Übungen durchzusprechen und mach deine Hausaufgaben!

Warum ist Training auf instabilen Unterlagen so wichtig ? Wie häufig sollte ich es tun ?

Bei der Operation gehen 2/3 deiner Rezeptoren im Knie kaputt. Sie sind Teil deines sensomotorischen Systems und sind für die adäquate Muskelansteuerung essentiell. Bei manchen Patienten wurde das sensomotorische System durch die Operation so gestört, dass sie kaum ihren Oberschenkelmuskel in den ersten post-operativen Tagen ansteuern können.

In der Regel braucht der Körper mit etwas Training etwa vier Wochen, damit sich die willkürliche Ansteuerung weitestgehend normalisiert hat. Vielen Patienten fehlt daher immer noch nach 4 Wochen 49% der Kraft zur Gegenseite. Die Muskelfasern werden einfach nicht richtig angesprochen und nur einzelne Muskelfasern kontrahieren.

Auf instabilen Unterlagen muss das System ständig zwischen dem „Ist-Zustand“ und dem „Soll-Zustand“ abgleichen und wird dadurch gezwungen, auf Höchstleistung zu arbeiten. Infolgedessen bilden sich erneute Rezeptoren aus. Folglich kannst du wieder besser deine Muskeln ansteuern. Dies führt zu einem schnelleren Kraftaufbau.

Eine Trainingstaktung von circa 4x die Woche (insbesondere am Anfang) für 20-30 Minuten ist ratsam.

Weitere Informationen erhältst du unter folgendem Artikel: "Warum Wackelbretter deine Ausdauer und Maximalkraft nachhaltig steigern."

Alle reden von Sensomotorik. Was ist das ?

Es ist ein Überbegriff für das Zusammenspiel von Sinneswahrnehmung, Tiefenwahrnehmung, nervaler Ansteuerung und muskulärer Kraftumsetzung. Dein Körper nimmt durch die Rezeptoren deine Körperstellung wahr. Gleichzeitig erkennt er durch die Augen, die Ohren, das Tasten usw. seine Umwelt, auf die er in einer bestimmten Art und Weise reagieren will.

Ein Abgleich von „Ist-“ und „Soll-Zustand“ erfolgt im Gehirn. Eine Strategie mit einem Ziel wird im Kopf gebildet und dann größtenteils über Bewegungsschablonen im Rückenmark umgesetzt.

Artikel: "Warum Wackelbretter deine Ausdauer und Maximalkraft nachhaltig steigern."

Was sind Stabilisatoren ? Warum sind sie für uns so wichtig ?

In den Trainingswissenschaften unterscheidet man zwischen Stabilisatoren, globalen Stabilisatoren und Mobilisatoren. Die Stabilisatoren sichern die Gelenke und sorgen für eine Begrenzung des physiologischen Bewegungsausmaßes. Sie ziehen eng am Gelenk vorbei.

Die Mobilisatoren dienen der Fortbewegung. Ein gutes Beispiel sind die oberflächlichen und tiefen Wadenmuskeln. Diese muskuläre Aufteilung ist sehr wichtig, um den unterschiedlichen Bewegungen und Ansprüchen im Alltag gerecht zu werden. Weitere Informationen erhälst du unter folgendem Link:

Artikel: "Warum dich Wackelbretttraining nachhaltig vor Verletzungen schützt."

In wie fern ist Elektrostimulation sinnvoll ?

In wie fern ist Elektrostimulation sinnvoll ?Elektrostimulation bietet sich vor allem für Patienten an, die ihre Knie auf Grund von Meniskusverletzungen sechs Wochen lang nicht belasten können. Durch die künstlich erzeugten elektronischen Reizströme wird der Muskel zur Kontraktion angeregt.

Sicherlich schafft ein externes Gerät in den ersten postoperativen Tagen eine höhere Stimulation als eine selbst angesteuerte. Sobald man jedoch wieder Kontrolle über sein Bein hat und es belasten kann, sollte das eigene Training im Vordergrund stehen, um die Sensomotorik zu schulen.

Wann kann ich Kniebeugen machen ?

Kniebeugen können direkt in den ersten postoperativen Tagen gemacht werden. Zunächst fängst du mit Minikniebeugen von 30-40° Knieflexion an. Später steigerst du dich zu 90° und mehr.

Das Kreuzband ist bereits ohne muskuläre Aktivität in dieser Stellung deutlich entspannter als in einer 0° Position. Die zusätzliche Aktivierung der hinteren Oberschenkelmuskulatur führt zu einer Kreuzbandbelastung, die deutlich geringer ist, als das Bein aus dem Bett zu heben.

Dort muss nämlich insbesondere der Quadrizeps arbeiten, der das vordere Kreuzband unter Zug setzt.

Wie sollte eine Kniebeuge durchgeführt werden ?

Wie sollte eine Kniebeuge durchgeführt werden ?Bei der Kniebeuge gibt es verschiedene Variationen. Von der normalen schmalen Kniebeuge bis 90° unterscheidet man den Sumosquat (breitbeinig) oder auch die tiefe Kniebeuge, bei der man mit dem Po fast bis auf den Boden geht. Alle Variationen haben ihre Berechtigung und sind nicht unbedingt „falsch“ oder “richtig“.

Im Hinblick auf die Kreuzbandprophylaxe jedoch, bietet sich die schmale Kniebeuge bis zu einem Winkel von 90-100° an. Denn bei den beiden anderen Variationen muss man einen breiteren Stand wählen. Dann werden mehr die Adduktoren und weniger die Abduktoren aktiviert.

Die Abduktoren sind jedoch unsere Hauptzielgruppe. Des Weiteren sollte der Oberkörper möglichst aufrecht sein und die Knie hinter den Fußspitzen. Die Vorübung ist die Minikniebeuge, die nur bis 30-40° Knieflexion durchgeführt wird.

Wann kann ich Gehen ?

Vorraussetzungen für das Gehen sind ein einbeiniger sicherer Stand, ein sauberer „Step up“ und „Step down“ von einer Treppenstufe sowie ein abgeschlossenes Training der Lastaufnahme.

5 Basisübungen in den ersten postoperativen Tagen

Zu den 5 Basisübungen gehören die clam shell, die Brücke, die isolierte Quadrizepskontraktion, die heal slides und die Minisquats.

Die Kniebeuge ist unter der Frage -  "Wie sollte eine Kniebeuge durchgeführt werden ?" -  genauer erklärt.

Die Brücke wird in der nächsten Frage adressiert.

Wie wird die Brücke richtig durchgeführt ?

Wie wird die Brücke richtig durchgeführt ?Bei dieser Übung ist es von ausgesprochener Wichtigkeit das Becken maximal nach oben zu heben. Die Arbeit geschieht nicht aus der hinteren Oberschenkelmuskulatur, sondern aus dem Pomuskel.

Der Bauchnarbel wird Richtung Wirbelsäule gezogen, um ein Hohlkreuz zu verhindern. Zwei Variationsmöglichkeiten sind die Verwendung eines Therrabandes um die Knie oder über der Hüfte aufgespannt.

Was ist die „tanzende Patella“ ?

Bei einem Kniegelenkserguss durch Flüssigkeitsansammlung, Eiter oder Blut, schwimmt die Kniescheibe auf dem Erguss.

Drückt der Untersucher nun die Kniescheibe nach unten, spürt er einen elastischen Rebound. Leider ist dieses Zeichen erst positiv, wenn mehr als 50 ml im Gelenk vorhanden sind.

Patella-Spitzensyndrom. Woher kommt es ?

Ein Patella-Spitzensyndrom kann unter anderem durch ungewöhnlich hohe Zugbelastungen hervorgerufen werden. An dem Punkt, wo die Patellasehne am Unterschenkelknochen einmüdet, kommt es so zu einer Reizung.

In diesem Fall hilft Schonung für ein paar Tage. Ist das Ganze ein längerfristiges Problem, sollte nach Fehlstellung Ausschau gehalten werden. Verhärtete Oberschenkelmuskulatur, Hüftabduktorenschwäche, Senk- und Plattfüße sowie eine Tendenz zur X-Bein-Stellung sind Indikatoren.

All dies kann man durch ein gezieltes Training angehen.

Was tue ich bei Problemen am Tractus iliotibialis ?

Viele Sportler haben einen sehr verspannten Tractus iliotibialis. Das ist das dicke Außenband am Oberschenkel. Diese Verspannungen führen auf Dauer, insbesondere auch nach Operationen und fehlerhaftem Gangverhalten, zu Schmerzen im vorderen Kniebereich.

Das Außenband zieht von der Seite in den vorderen Teil des Knies. In diesem Fall helfen Myofaszienrollen zur Selbstmassage sowie „heiße Rollen“, um Verspannungen zu lösen.

Es zieht im hinteren Oberschenkel. Was ist das ?

Falls bei dir die Semitendinosussehne entnommen wurde, kommen die Schmerzen durch eine Reizung an der Entnahmestelle. Diese können auch noch bis zu sechs Wochen nach der Operation auftauchen. Insbesondere das Anheben der Beine nach hinten kann schmerzhaft werden.

Hier ist aber kein Grund zur Sorge. In der Regel vergeht das von alleine.

Das Plica-Syndrom. Was ist es ?

Wie jedes andere Gelenk hat auch das Kniegelenk eine dünne glatte Haut, die Gelenkflüssigkeit produziert, um die Reibung im Gelenk herabzusetzen und den Knorpel mit Nährstoffen zu versorgen.

Im Laufe der Kindesentwicklung bildet sich diese Haut fast vollständig zurück. Bei 50-70% der Erwachsenen bleibt jedoch eine Hautfalte erhalten: die Plica. Wird diese nun durch Reibung gereizt, kann sie anschwellen. In der Fachsprache nennt man dies das Plicasyndrom.

Hält die Schwellung über einen längeren Zeitraum an, können Narben entstehen, die dann den mechanischen Gleitvorgang nachhaltig stören. Belastende Aktivitäten mit viel Beugung und Streckung sind dann zu meiden.

Was kann ich gegen muskuläre Verspannungen tun ?

Allgemein helfen Myofaszienrollen sehr gut gegen Verspannungen. Ansonsten bieten sich die bekannten Hilfsmittel wie Salben, Massagen, Saunagänge, lockere Bewegung (z.B. Radfahren) und Dehnen an.

Die Saunagänge sollten erst gemacht werden, wenn die Narben zugeheilt sind und die Schwellung sich in einem moderaten Bereich befindet. Im Idealfall solltest du bereits keine Krücken mehr gebrauchen müssen.

Beim Dehnen musst du natürlich die Beugegrenze im Knie beachten. Ein Physiotherapeut kann dir sicherlich mit ein paar Tipps und Tricks weiterhelfen, wie du die Standardübungen für dich etwas abwandeln kannst.

Welche pflanzlichen Salben helfen effektiv gegen Schmerzen/Verspannungen/Entzündungen etc.

Ein bewährtes Hilfsmittel bei muskulären Verspannungen und Muskelkater ist die Pferdesalbe. Bei Gelenkschmerzen und -entzündungen verordnen die Ärzte meistens Voltaren oder Diclofenac. Alle drei Medikamente sind in fast jeder Apotheke ohne Rezept zu erhalten.

Artikel: "Die Tage nach dem Kreuzbandriss und Operation"

Geräte, Hanteln oder freie Übungen ?

Auch bei dieser Fragestellung muss man etwas abwägen in welchem Lebensabschnitt man sich befindet und was das langfristige Ziel ist.

Maschinen oder Hanteln werden als Ergänzung sicherlich nicht schaden, aber der Großteil sollte durch freie Übungen gestaltet werden. Denn immerhin bewegst du auf dem Spielfeld auch deinen ganzen Körper und nicht nur deinen Bizeps ;).

Was sind die Vorteile vom funktionellen Training ?

Was sind die Vorteile vom funktionellen Training ?In den letzten Jahren hat insbesondere das funktionelle Training, welches stark von Michael Boyle geprägt wurde, an Beachtung gewonnen.

Ziel dieser Trainingsart ist es nicht, Muskelmasse aufzubauen, sondern die Bewegungsabläufe zu perfektionieren und generelle Defizite bei Athleten zu eliminieren.

Kernbestandteile sind der Aufbau von Rumpfstabilität, Training der Becken-Bein-Achse sowie der Sensomotorik.

Becken-Bein-Achsen Training. Was ist das ?

Unter Becken-Bein-Achsen Training versteht man die gezielte Schulung: Mitte Knie über Mitte Sprunggelenk und unterhalb Hüftgelenksdrehpunkt. Weiterhin beinhaltet ein Becken-Bein-Achsen Training die Betrachtung der Beckenposition.

Entscheidend ist, ob es zu unwillkürlichen Rotationen oder Neigungen des Beckens bei bestimmten Übungen kommt. Auch die Positionierung des Oberkörpers spielt bei dieser Trainingsform eine entscheidende Rolle.

Hüftdominant versus kniedominant. Was bedeutet das ?

Bei hüftdominanten Übungen achtest du darauf, dass die Knie hinter den Zehenspitzen bleiben und die Hüfte nach hinten rausgeschoben wird. Dies bewirkt eine hohe Aktivierung der Pomuskulatur und der hinteren Oberschenkelmuskulatur.

Bei kniedominanten Übungen kommen die Knie etwas weiter nach vorne. Dann trainierst du vermehrt die vordere Oberschenkelmuskulatur. In der Rehabilitation und Prävention streben wir immer eine hüftdominante Ausführung an, um die Schutzmuskeln gezielt zu trainieren.

Welche Rolle spielt der Rumpf in der Verletzungsprävention ?

Der Rumpf und die Hüfte bilden das Zentrum deines Körpers. Um diese Strukturen bewegt sich alles. Machst du einen Weitsprung, kannst du deine Extremitäten in alle vier Himmelsrichtung bewegen. Dadurch fliegst du aber nicht weiter. Dein Schwerpunkt, der sich im Rumpf befindet, verändert seine Flugrichtung nicht mehr, sobald du abgesprungen bist.


Bewegst du deine Extremitäten und hast keine gute Rumpfstabilität, kommt es zu unwillkürlichen Bewegungen. Dies äußert sich als erhöhte Schwankungen des Knies oder des Rumpfes selbst. Studien zeigen, dass eine verminderte Rumpfstabilität das Verletzungsrisiko erhöht.

Warum sind Rumpfschwankungen ein Prädikator für eine Ruptur ?

Schwankt dein Oberkörper unkontrolliert zu den Seiten, fängt die Bodenreaktionskraft das Gleiche ab. Dies führt zu ständig wechselnden Momenten auf das Knie und die Muskulatur weiß nicht mehr, wie sie passend reagieren soll.

Irgendwann ist das Zusammenspiel der Muskeln und der Bodenreaktionskraft dann so ungünstig, dass das Knie nach innen weg bricht und dein Kreuzband reißt.

Wie mache ich aus langweiligen Rehaübungen ein hoch intensives Krafttraining ?

Viele Rehabilitationsübungen sind Basisübungen, um Defizite in bestimmten Strukturen zu beseitigen. So ist die V-Übung mit angewinkelten Beinen eine Vorübung zur V-Übung mit gestreckten Beinen.

Die Plank mit angewinkelten Knien ist eine Vorübung zur normalen Plank. Grundübungen werden insbesondere durch instabile Unterlagen und zusätzliches Gewicht erschwert.

Was sind die 5 wichtigsten Übungen im Kräftigungsbereich ?

Die Kniebeuge plus externes Gewicht, der step down, der single-leg dead lift, das Kreuzheben und die V-Übung in einer optimalen Ausführung.

Weitere Informationen zur Ausführung und Funktion findest du im folgenden Übungskatalog oder unter diesem Link: "Präventionsprogramm im Volleyball."

Warum ist ein Sprung- und Landetraining vor dem Laufeinsteig essentiell ?

Warum ist ein Sprung- und Landetraining vor dem Laufeinsteig essentiell ?Beim Laufen ist jeder Schritt wie ein Sprung. Traust du dich nicht einbeinig abzuspringen und zu landen, wirst du auch beim Joggen Fehlbewegungen entwickeln.

In der Regel ist dies dann als unrunder Laufryhtmus erkennbar. Das operierte Bein hat eine kürzere Standphase als das Gesunde.

Dies fördert ein Ungleichgewicht zwischen den beiden Beinen und stellt ein Risikofaktor für einen erneuten Riss dar.

Was unterscheidet das Sprungtraining vom funktionellen Training ?

Deine Muskeln bestehen aus 3 unterschiedlichen Fasertypen: 1. Dem Fasertyp I, 2. Dem Fasertyp II A und 3. Dem Fasertyp II B. Der Fasertyp I hat eine langsame Kontraktionsgeschwindigkeit und eine lange Ausdauer.

Er braucht in der Regel ~ 100 Millisekunden. Der Typ II A kontrahiert mit ~ 50 Millisekunden schnell und der Typ II B mit ~25 Millisekunden sehr schnell.

Beide Fasertypen erschöpfen innerhalb kurzer Zeit. Beim Krafttraining trainierst du primär Fasertyp I und beim Sprungtraining Fasertyp II.

Springen muss gelernt sein !

84% aller Patienten fielen in einer Studie in einem von vier Sprungtests 18-24 Monate postoperativ durch. Man will sich gar nicht überlegen, wie viele es sechs Monate postoperativ gewesen wären.

Wenn man bedenkt, dass viele von ihnen bereits wieder gespielt haben und einbeinige Landungen an der Tagesordnung standen, sollte man sich fragen, ob es nicht eine Dysbalance zwischen funktioneller Leistung und Wiedereinstieg gibt.

Wo ist das Problem ? Warum schneiden die Probanden so schlecht ab ?

Die Problematik liegt nicht in der Schwierigkeit des Erlernens, sondern des Wissens. Viele Patienten haben es einfach nie geübt. Bereits ein 5-wöchiges Intensivprogramm kann die Sprungleistung deutlich verbessern.

Was musst du beim Sprungtraining beachten ?

Beim Absprung und der Landung darf das Knie nicht nach innen weg brechen. Außerdem solltest du lernen, dass sich die Knie bei der Landung immer hinter den Fußspitzen befinden.

Das reduziert die Aktivität des vorderen Oberschenkelmuskels und erhöhte die Aktivität der Hinteren. Wie bereits oben dargestellt, ist die hintere Oberschenkelmuskulatur die Schutzmuskulatur des vorderen Kreuzbandes.

Welche 3 Basisübungen gibt es im Sprungtraining ?

Zunächst fängst du mit einbeinigem Wippen und Minisprüngen an. Dann machst du Kniebeugensprünge und im dritten Schritt wagst du deine ersten einbeinigen Sprünge auf eine Treppenstufe.

Die ersten Male werden eine große mentale Herausforderung für dich sein, doch bereits nach ein paar Trainingseinheiten wirst du eine signifikante Verbesserung merken.

Fast-Feed: der Einstieg in Koordinationsläufe

Fast-Feed: der Einstieg in KoordinationsläufeBei dieser Übung geht es um die Schulung der Schnelligkeit und um die schnelle Muskelkontraktion. Sie ist eine gute Einsteigerübung für alle Übungen auf dem Vorfuß.

Zunächst hebst du deine Beine nur minimal vom Boden ab. Dann ziehst du die Beine immer höher bis du sie schließlich auf Bauchhöhe bekommst. Achte darauf, dass beide Beine gleich schnell gleich hoch kommen.

Warum sind Koordinationsläufe knieschonender als joggen ?

Bei den Koordinationsläufen arbeitetest du stets auf dem Vorfuß, sodass die Bodenreaktionskraft vor deinem Knie lang läuft. Die Bodenreaktionskraft ist die Kraft, die zwischen dir und dem Untergrund wirkt und in Richtung deines Körpers zeigt.

Sie bestimmt wie hoch die Belastung auf deine Gelenke oder einzelne Strukturen ist und wie dein Körper muskulär reagiert. Weil die Kraft vor dem Kniegelenk lang läuft, wird der Unterschenkel nach hinten gedrückt und das vordere Kreuzband wird entlastet.

Zweitens hast du durch den Vorfußkontakt eine deutlich höhere Federung als beim Fersenlauf. Drittens hebst und senkst du deinen Körperschwerpunkt bei den Koordinationsläufen nicht so stark. Dies entlastet die Kniegelenke, da du nicht so tief „fällst“. Diese drei Aspekte sorgen dafür, dass Koordinationsläufe deutlich knieschonenender sind als Joggen.

Wie dienen sie der Vorbereitung für das Laufen ?

Sie sind für die Vorbereitung auf das Laufen wichtig, weil du dabei die schnell-kontrahierenden Muskelfasern trainierst und deine Koordination. Insbesondere deine hintere Oberschenkelmuskulatur hat bereits gelernt gezielt zu greifen und dadurch dein vorderes Kreuzband zu entlasten.

Welche Koordinationsläufe sollte ich machen ?

Welche Koordinationsläufe sollte ich machen ?Von den typischen ABC-Läufen, über Treppenläufe bis hin zur Koordinationsleiter ist alles möglich. Generell gilt: Je vielfältiger, desto besser.

Welche Trainingsgeräte bieten sich für Koordinationsläufe an ?

Welche Trainingsgeräte bieten sich für Koordinationsläufe an ?Das bekannteste Trainingsgerät ist die Koordinationsleiter. Hiermit sollteste du Schrittkombinationen in so vielen Variationen durchführen, wie du dir nur ausdenken kannst.

Je vielfältiger, desto besser. Vorwärts, rückwärts, seitlich, Laufschritte und Sprünge. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt.

Warum sollte ich sprinten bevor ich jogge ?

Warum sollte ich sprinten bevor ich jogge ?Auch beim Sprinten verläuft die Bodenreaktionskraft vor dem Kniegelenksdrehpunkt und drückt den Unterschenkel nach hinten.

Am Anfang bieten sich Sprintintervalle am Berg an, um noch weiter die Belastung auf das Kniegelenk durch eine Minimierung des Fallens vor dem Aufkommen rauszunehmen. Auch beim Sprinten trainierst du den 2. Fasertyp.

Außerdem sprichst du dabei gezielt den Vastus medialis an, der bei vielen Patienten nach der Operation stark atrophiert ist.

Welche Kriterien sollte ich allgemein erfüllen, damit ich mit joggen anfangen kann ?

Du solltest sicher einbeinig abspringen und landen können. Du solltest in der Sprungweite mindestens 70% zur gesunden Gegenseite schaffen, damit du beim Joggen nicht unrund läufst.

Außerdem solltest du eine gute hüftdominante einbeinige Kniebeuge bis zu einem Hüftflexionswinkel von 50-60% sicher beherrschen können.

Wie fange ich am Besten mit dem Lauftraining selbst an ?

Allgemein empfiehlt man Anfangs Laufintervalle von 400-800 Metern. Zwischen drin kannst du dann Gehen, Koordinationsläufe oder Sprints einbauen. Auch Treppenläufe eignen sich als Variation dazwischen.

So lernt dein Herz-Kreislauf-System längeren Belastungen Stand zu halten ohne dabei das Knie von Anfang an zu überfordern. Nach und nach erhöhst du dann den Anteil des Joggens.

Federung, keine Federung oder barfuß ?

Federung, keine Federung oder barfuß ?Bis vor wenigen Jahren war eine Federung in einem Laufschuh ein Muss. Inzwischen ist sich die Wissenschaft diesbezüglich sehr uneinig. Die Sprengung im Schuh sorgt für einen längeren Hebel zwischen Sprunggelenk und Boden.

Die Bodenreaktionskraft läuft durch den Absatz weiter hinterhalb des Knies und erhöht die beugenden Momente auf das Kniegelenk. Dadurch wird der Unterschenkel stärker nach vorne gedrückt und der Quadrizeps zieht ihn zusätzlich vermehrt nach vorne. Dies belastet das vordere Kreuzband.

Die Pufferung verändert die Wahrnehmung im sensomotorischen System und die Sportler tendieren dazu sich mehr „fallen“ zu lassen. Studien zeigen, dass die Gelenkbelastung mit Schuhfederung größer sein können als ohne Schuhe.

Beim Barfuß-Lauf stärkst du außerdem dein inneres Fußgewölbe und förderst die Sensomotorik. Aus oben genannten Gründen ist es also empfehlenswert sich ein Stadion oder Fußballplatz zu suchen und seine ersten Runden barfuß auf dem Rasen zu absolvieren.

Vorher sollte man jedoch die Strecke auf Löcher absuchen.

Warum ist ein Wendetraining essentiell ?

Der dynamische Valgus als hauptsächlicher Unfallmechanismus passiert in aller Regel bei einer einbeinigen Landung nach einem Sprung oder bei einem Richtungswechsel, d.h. einer Wendung. Meistens versucht der Spieler einem Gegner auszuweichen oder wurde am Oberkörper durch einen Zusammenstoß aus der Balance gebracht.

Das Knie knickt nach innen weg und das Kreuzband reißt. Wie das Gehen und Laufen in den ersten Lebensjahren, kann man auch die Sprung- und Wendetechnik schulen. Dabei muss die hauptsächliche Last auf dem Wendebein liegen und das Knie muss nach außen gedrückt werden.

Wie funktioniert das motorische Lernen ?

Das motorische Lernen beginnt vom ersten Lebenstag an. Vom Krabbeln, über das Greifen und Essen bis hin zu sich eine Schleife im Schuh zu machen. Alles muss erlernt werden.

Das motorische Lernen resultiert aus einem Zusammenspiel von Anforderungen in der äußeren Umwelt und der angebrachten Reaktion. Wenn jemand mit Fußball spielen beginnt, passt er die Bälle häufig an seinem Mitspieler vorbei. Irgendwann passiert das immer weniger. Wir lernen unsere Kraft deutlich gezielter einzusetzen, damit der Ball an sein Ziel gelangt.

Im Körper läuft das Ganze folgender Maßen ab: Deine Rezeptoren in den Muskeln, den Sehnen und der Haut nehmen deine Körperstellung wahr. Gleichzeitig erkennt dein Gehirn, dass der Mitspieler 20 Meter entfernt von dir steht. Nun gleicht dein Gehirn die Körperposition mit den äußeren Anforderungen ab. Erst dann entwickelt es eine Strategie, wie du deinen Körper bewegen musst, damit der Ball dorthin kommt.

In der Regel sieht das so aus: Du stellst dir einen imaginären Schuss vor und wie du das Bein nach vorne ziehst. Diese Gedanken werden dann über neuronale Bewegungsschablonen umgesetzt. Die Muskeln erhalten nun den Befehl über das Nervensystem sich zu kontrahieren. Es kommt zur Bewegung.

Diese einzelnen Vorgänge kann man optimieren. Nicht nur der Abgleich von der äußeren mit der inneren Umwelt kann durch Erfahrungswerte positiv beeinflusst werden. Auch die neuronalen Bewegungsschablonen können sich verbessern oder auch neu ausbilden. Deshalb ist die Schulung von geeigneten Techniken so wichtig, um Verletzungen zu vermeiden. 

Artikel: "Warum Wackelbretttraining deine Ausdauer und Kraft steigert"

Wie erlerne ich gute Wendetechniken ?

In der Reha fängst du zunächst mit dynamischen Ausfallschritten zur Seite an. Dann solltest du bereits Vorfußläufe geübt haben, insbesondere Seitwärtsgalopp.

Als nächste Steigerung machst du  Seitwärtssprünge zwischen zwei Hütchen und schließlich steigerst du dich zu Wendungen. Dabei achtest du stets auf die volle Belastung des Beins und die richtige Ausführung bzgl. der Becken-Bein-Achse.

Welche Variationsmöglichkeiten gibt es ?

Die Wendungen solltest du in unterschiedlichen Winkeln ausüben. Von einer 180° Kehrtwende, über 90° und 45° sollte alles dabei sein, denn auf dem Feld hast du später auch Wendungen mit zusätzlichen Rotationen.

Die Einführung der Trainingsgeräte

Je nachdem welche Sportart du ausübst, kannst du schon wieder 2-4 Monate postoperativ deine Trainingsgeräte involvieren. Beim Volleyball und Handball kannst du die Bälle dazu benutzen, dich im Einbeinstand abzulenken.

Bereits nach 2 Monaten kannst du wieder gehen und über dem Kopf pritschen. Nach drei Monaten gehen lockere Annahmen mit einem seitlichen Ausfallschritt usw. Basketballer können drei Monate postoperativ Seitwärtsgalopps durchführen und dabei dribbeln. Fußballer können Vorfußläufe mit Ballführung üben.

Perfektionierung von typischen Bewegungsmustern

Was sind typische Bewegungsmuster in deiner Sportart ? Wie lang sind deine Laufstrecken ? Sprintest du ? Rennst du schnell ? Machst du viele Wendungen ?

Zerlege deine Sportart in die Grundbewegungen und taste dich so an das Spiel wieder ran.

Aufbau von Gegnerkontakt

Aufbau von GegnerkontaktAuch der Gegnerkontakt muss nach einer Operation wieder neu erlernt werden. Schnapp dir einen Mannschaftskamerad und übe den gezielten Zweikampf.

In den ersten Einheiten geht ihr das ganz locker an. Dann steigert ihr nach und nach das Niveau.

Wie kann ich mich auf den Fußball vorbereiten ?

Die Fußballer brauchen auf Grund des hohen Beinkontaktes in der Regel länger als die Volleyballer oder Handballer bis zum Wiedereinstieg.

Nach drei Monaten kann man die ersten Ballführungen mit Vorfußläufen kombinieren. Nach vier Monaten kann man einen Ball an die Wand legen und locker gegen ihn treten, um sich an den Widerstand zu gewöhnen. Dann steigert man sich zum Schuss und gezielten Pässen.

Wie kann ich mich auf den Volleyball vorbereiten ?

Die Vorbereitung für den Volleyball kann schon nach zwei Monaten mit ersten kleinen Übungen wieder starten. Pritschen über dem Kopf oder baggern an die Wand sind bereits wieder möglich.

Nach drei Monaten kann man die dynamischen Ausfallschritte mit einer leichten Annahme kombinieren. Außerdem kannst du mit Blogsprüngen am Netz beginnen.

Später baust du noch Kreuzschritte oder das Lösen mit ein. Falls du mehr dazu wissen willst, schau doch mal unter folgendem Artikel:

Artikel: http://www.volleyballfreak.de/erfolgreiche-integration-volleyball-nach-kreuzbandrekonstruktion.html

Wie kann ich mich auf den Handball vorbereiten ?

Wie kann ich mich auf den Handball vorbereiten ?Beim Handball machst du viele seitliche Pässe beim Vorwärtslaufen. Dieses solltest du üben.

Auch der Zweierkontakt am Kreis kann mit einem Mitspieler geübt werden. Würfe auf das Tor oder Wendungen mit Ballpässen sind weitere typische Bewegungen.

Wie kann ich mich auf Basketball vorbereiten ?

Hochsprünge mit Pertubation, Richtungswechsel mit Rumpfrotation oder Seitwärtsschritte mit Gegnerkontakt im Rücken.

Ballkörbe mit Anlaufen und Sprints mit Dribbeln. All dies sind separate Bewegungsmuster, die einstudiert werden können.

Wie kann ich mich auf Boxen, Karate, Kung-Fu etc. vorbereiten ?

Im Gegensatz zu den Ballsportarten feilt man nicht am Ballkontakt, sondern primär an seiner Körperhaltung, seiner Dehnbarkeit, seiner Genauigkeit und dem Reaktionsvermögen.

Du solltest Abwehr- und Angriffstechniken in slow-motion üben. Achte dabei akkurat auf deine Becken-Bein-Positionierung. Fällst du bei einem Kick mit deinem Standbein in eine X-Bein-Stellung ? Tendierst du dazu mit den Knien nach vorne zu gehen ?

Dann korrigiere dies immer wieder vor einem Spiegel.

Wie steige ich am Besten wieder in das Training ein ?

Wie steige ich am Besten wieder in das Training ein ?Zunächst machst du das normale Warm-Up wieder mit. Dann kannst du ein paar Übungen mitmachen, von denen du die Laufwege vorher kennst.

Sage deinen Mitspielern, dass sie dir in den ersten Einheiten etwas mehr Zeit einräumen sollen. Du kannst dich gerne etwas fordern, aber übertreibe es nicht.

Was ist das geeignete Maß ?

Habe Respekt vor dem, was du tust ! Aber keine Angst ! Finde ein Niveau für dich, was dich fordert, aber in dem du dich immer noch sicher fühlst.

Dir macht ein Blocksprung mit Gegner noch Angst am Netz ? Dann geh ein Schritt nach hinten. Dir macht der frontale Gegnerkontakt beim Torwurf im Handball noch Sorgen ?

Dann übe diese Situation gezielt mit einem Mitspieler. Sprecht euch ab, aber forciere es nicht im Spiel. Gehe die Bewegungsabfolge vorher mental durch, um deinen prämotorischen Cortex zu aktivieren.

Ich habe Angst vor dem Wiedereinstieg. Was soll ich tun ?

Wie bereits oben dargestellt, solltest du im Spiel keine Angst empfinden. Tust du es doch, kann es fast nur eins bedeuten. Eigentlich bist du körperlich noch nicht wieder für das Spielen oder die Herausforderung bereit.

Unser Körper ist sehr schlau und gibt dir kritisches Feed-Back. In der Regel ist dann eine deiner Phasen zu kurz gekommen und du brauchst noch etwas Zeit die Defizite aufzuholen.

Sind Bandagen sinnvoll ? Wenn ja, wann sollte ich sie verwenden ?

Sind Bandagen sinnvoll? Wenn ja,wann sollte ich sie verwenden ?Bandagen triggern Rezeptoren in der Haut an. Das zusätzliche Feed-Back über die Hautrezeptoren kompensiert den Mangel von Tiefenrezeptoren im Gewebe, denn leider braucht der Wiederaufbau der Nervenfasern recht lange bis sie wieder zu 100% fungieren.

Die Verwendung ist insbesondere beim Wiedereinstieg sinnvoll. Immer wenn du eine nächste, höhere Stufe anpeilst, solltest du sie dir mit der Zeit nach und nach wieder abtrainieren.

Wie sinnvoll ist Kinesiotape ?

Kinesiotape hat die gleiche Wirkung wie Bandagen. Auch sie triggern die Rezeptoren in der Haut. Die anfangs etwas kritisch betrachteten Streifen, haben sich bisher in der Praxis so gut bewährt, sodass sie ein gängiges Hilfsmittel im Sport geworden sind.  Mit der Zeit kannst du immer weniger Tape verwenden,  bis du es gar nicht mehr brauchst.

Wie sinnvoll sind Orthesen ?

Wenn du nicht gerade Motorcross fährst, dann sind Orthesen für den Sport eher ungeeignet. Sie behindern dich im Bewegungsablauf, rutschen und sind einfach unangenehm zu tragen. Erinnere dich mal an die ersten postoperativen Tage mit Schiene zurück.

Der Einsatz wird immer mal wieder in Profiligen diskutiert. Anstatt aber deine Defizite durch Orthesen zu beheben, mach lieber ein vernünftiges Trainingsprogramm und sorge von innen heraus für genügend Stabilität.

Wie schütze ich mich nachhaltig ?

In dem du deine Übungen weiter ausbaust, deine Ausführung verbessert und dich 2x die Woche mit einem speziellen Programm fit hälst.

Die Prävention und die späteren Rehabilitationsphasen sind genau gleich. Denn was wir nach dem Unfall an Defiziten eliminieren wollen, wollen wir für die Prävention eben besonders stärken.

Also bleib an den Übungen dran solange du kannst. Sie werden dir ein Leben lang helfen !

Nun wünscht dir das Team von Knie-Knorpel-Sport viel Erfolg in der weiteren sportlichen Karriere.